Weiden
Eine Frau, die auf der Bühne ihr Leben gibt
Opern-Kabarettistin Katharina Herb gastiert am 3. Mai mit "Tenore amore" bei den 25. Weidener Literaturtagen
Weiden. Dass Opern weder langweilig noch langatmig oder verstaubt sein müssen, beweist die Kabarettistin Katharina Herb auf superbe Art. Mit kecker Art, sündigem Körpereinsatz und gefühlsechtem Mezzosopran gastiert sie mit „Tenore amore“ am 3. Mai (20 Uhr) zu den 25. Weidener Literaturtagen in der Regionalbibliothek. Die Kulturredaktion führte mit ihr dieses Interview.
Opern, Literatur und Erotik - Wie passt denn das Zusammen?Herb: Überaus gut. Zum einen lässt sich dazu das Libretto nennen, das ist der Text zu einer Oper. Meist von renommierten Schriftstellern, Dramatikern ihrer Zeit geschrieben. So manch einer von denen hat ganz selbstbewusst den Anspruch gehabt Weltliteratur zu schaffen.
Wenn zum Beispiel die Zigeunerin Azuncena, statt des Sohnes ihres Todfeindes, ihren eigenen ins Feuer schmeißt (aus Versehen natürlich), dann offenbart sich doch darin die ganze Tragik einer zwei-Klassen-Gesellschaft, oder nicht? Und wenn es um Erotik geht, dann müssen wir auch nicht lange graben. Die liegt mit nur einer hauchdünnen Schicht bedeckt knapp unter der Oberfläche. Immer und immer wieder singen verliebte Troubadoure über angebetete Körperteile: Augen, Hände, Busen, Füße. Hm, was das wohl bedeutet?
Ihre Programm tragen Titel wie „Erotische Eroperungen“, „Orgien in Arien“ und „Tenore amore“. Waren alle Komponisten, die bei Ihnen zitiert werden, Schweine?
Herb: Nanana?! Sie waren lustvoll. Sinnlich, üppig, opulent. Die meisten hatten auch dicke Bäuche. Man denke nur an Rossini, nach dem mehrere Gerichte benannt wurden. Und das, was zu diesen Zeiten an direkter Erotik nicht ausgesprochen werden durfte, verrät uns die Musik sowieso unzweideutig.
Worin liegt die besondere Erotik in Ihren Bühnenauftritten?
Herb: Oh, ein prekäre Frage. Naja. Ich sage mal bescheiden, dass ich mich zum Sprachrohr mache. Die Bürde, dass dabei Erotik entstehen kann, nehme ich gerne auf mich. Will ich doch nichts mehr, als die Größe der Musik zu zeigen.
Wie wählen Sie die Klassik-Szenen aus und in welcher Form werden Sie von Ihnen noch bearbeitet?
Herb: Die Auswahl ist ganz einfach: Was mir gefällt. Und nichts anderes. Bearbeitet werden von mir die Zusammenhänge. Ich versuche die Oper verdaubar zu machen. Ganz besonders aufpassen muss ich dabei, dass der Schalk nicht mit mir durchgeht, und ich vor Lachen über seine Unzulänglichkeiten das ganze Werk vom Sockel kippe. Das möchte ich eigentlich nicht. Die Musik ist so groß, dass es wenig braucht uns heute noch zu Tränen zu rühren.
Worin liegt der besondere Reiz, erotische Details aus Komponistenleben und Kompositionen für die Bühne aufzubereiten?
Herb: Reiz? Liegt darin ein Reiz? Erotik reizt? Immer noch? Nein, nein, das ist doch alles selbstverständlich geworden. Wer braucht schon Erotik heute? Kein Mensch?
Sie haben mit dem Begriff Opernkabarettistin ein neues Genre kreiert. Wie unterscheiden Sie sich von anderen Kabarettisten und wie ist die Resonanz beim Publikum und bei den Kleinkunstbühnen?
Herb: Ja, das ist allerdings sehr lustig. Weil ich nun mal Singen gelernt habe und schon immer meinen Zuhörern lustige Geschichten zu meinen Arien erzählt habe, wollten immer mehr Veranstalter eine Schublade, in die ich hineinpasse. Weil es die nicht gab, musste ich eine erfinden. Voilá: Opernkabarett. Wer hätte vor fünf Jahren gedacht, dass sich so viele Menschen dafür interessieren?!
Sie geizen nicht mit ihren Reizen - weder stimmlich noch fraulich. Worauf dürfen sich die Besucher bei den Weidener Literaturtagen freuen?
Herb: Auf eine Frau, die auf der Bühne ihr Leben gäbe.
Karten für die Weidener Literaturtage gibt es beim NT/AZ-Ticketservice (Telefon 0961/855-50 und 09621/306-230) sowie unter www.okticket.de. Schüler und Studenten erhalten 50 Prozent Ermäßigung.
Weitere Informationen im Internet:
http://www.weidener-literaturtage.de http://www.katharina-herb.de
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