03.03.2009
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"Willkommen im Klupp"
Thomas Klupps "Paradiso": Weiden-Roman macht Furore - "Liebeserklärung" mit einigen Tiefschlägen
"Gefährlich gut", schwärmte der Rezensent des Radiosenders "1 Live". Sein Fazit: "ein brillanter Erstling, eines der besten Debüts dieses Frühjahrs". Und die FAZ stellt "Paradiso" gar in eine Reihe mit den Klassikern "Der Fänger im Roggen" und "American Psycho". Ein Roman, der Furore macht. Geschrieben hat ihn der 31-jährige Thomas Klupp, der Kindheit und Jugend in Weiden verbrachte. Kein Wunder also: Die Max-Reger-Stadt dient ihm als Kulisse für dieses brutale, bizarre "Roadmovie" in Buchform.
Eine Homepage wie für einen Popstar: Thomas Klupps "Paradiso" "ist überall". Auch im Internet. Bild: rg
"Thomas Klupp schreibt nicht so harmlos, wie er aussieht, und er spricht aus, was Sie schon immer fühlten, aber nie zu denken wagten", lobt kein Geringerer als Schriftsteller-Kollege Thomas Brussig ("Sonnenallee"). Kaum ein Rezensent in der Republik, der sich nicht vorbehaltlos begeistern könnte für Klupps Debüt. Mit der Geschichte, die in der Oberpfälzer Provinz angesiedelt ist, kommt der Autor ziemlich rum. Derzeit liest er beim "Literaturfestival Krautgarden" in New York. Die nächsten Stationen: Leipzig, Hannover, Berlin (wo er zeitweise wohnt), Oldenburg, Osnabrück, Tübingen.
"Einen großartigen Gesellschaftsroman" bejubelt die "Welt am Sonntag". In der Oberpfälzer Heimat wird man "Paradiso", erschienen im "Berlin Verlag", wohl eher als Skandalgeschichte lesen. Klupp erzählt 20 Stunden aus dem Leben von Alex Böhm, eines - laut Autor - "ehrlichen Blenders", der über sein Wesen andere und sich selbst belügt. Der Student reist von Berlin nach München, macht dabei spontan Station in seinem Geburtsort Weiden, trifft alte Bekannte, offenbart moralische, charakterliche und nicht zuletzt sexuelle Abgründe. Höhepunkt: die "Filterwochen" bei einer Kiesgrube bei Hirschau, eine ausschweifende Alkohol- und Drogenparty. Dort, im "Paradiso", kulminiert Böhms latenter Welthass zur Katastrophe.
03.03.2009
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"Willkommen im Klupp"
Thomas Klupps "Paradiso": Weiden-Roman macht Furore - "Liebeserklärung" mit einigen Tiefschlägen
Viele Passagen, in denen Klupp/Böhm Weiden charakterisiert, klingen wenig schmeichelhaft: "Früher haben sich dort Fuchs und Hase Gute Nacht gesagt, aber als der Eiserne Vorhang fiel, ist dort einiges passiert. (...) Wenig später standen dann vor der Weidener Thermenwelt massenhaft tschechische Reisebusse auf dem Parkplatz, und ich hatte plötzlich Fußpilz."
Als seine Zufalls-Chauffeurin Patrizia in Weiden-West von der Autobahn abzweigt, bemerkt der Protagonist, dass "die Randgebiete das Hässlichste sind, was Architekten je entworfen haben". Überall Thujenhecken. "Ich schwöre, dass Thujen nirgends so gut wachsen wie in Weiden. Und wenn sich irgendwas an einer Fassade hochrankt, ist es Knöterich. (...) Man möchte eigentlich nur noch davonlaufen vor dieser Stadt". Wenig später schwärmt Alex allerdings über die Fußgängerzone, die orangefarben angestrahlten Giebel, die Menschen in den Straßencafés, die spielenden Kinder im Brunnen am Oberen Markt: "Wie in San Gimignano oder Siena oder sonst wo in Italien sieht das aus, es fehlen nur die Eidechsen an den Wänden und ein paar Palmen vielleicht. (...) Mir schießen beinahe die Tränen in die Augen, so schön sieht das aus."
03.03.2009
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"Willkommen im Klupp"
Thomas Klupps "Paradiso": Weiden-Roman macht Furore - "Liebeserklärung" mit einigen Tiefschlägen
Das beste Bier der Welt
In einem Interview mit der NT-Kulturredaktion bezeichnet Klupp seinen Roman durchaus als "Liebeserklärung an die Region". "Wenn man etwas liebt", sagt er, "heißt das ja nicht, dass alles schön und gut ist." Uneingeschränkt gut: Neuhauser Zoigl. "Das wird hier in der Gegend gebraut", lässt Klupp seinen Böhm berichten, "und ist das beste Bier der Welt". Wie Alex treffen eingeweihte Leser in "Paradiso" manch alten Bekannten aus der "Weidener Szene" wieder - biographisch und/oder namentlich leicht verfremdet, versteht sich. In einer Gastrolle: die Punkband "Speichelbroiss", die in einer Rückblende im "Alten Schlachthof" rockt.
Zum Hit scheint sich jedenfalls "Paradiso" zu entwickeln. Im Internet richtete der Verlag seinem neuen Hoffnungsträger eine üppige Homepage ein, die denen von Pop-Bands in nichts nachsteht. Zum munteren Durchklicken: Leseproben, verworfene Textpassagen ("Making of ,Paradiso'"), Videoclips mit Interview-Schnipsel, Biographie, Stimmen zum Spiel. Das Motto: "Willkommen im Klupp". Derweil brütet der 31-Jährige längst über seinem nächsten Werk. Es heißt "Über die Poetik zeitgenössischer Romane" - und soll seine Dissertation sein. Mal sehen, ob sie auch "gefährlich gut" gerät.
Das Klupp-Interview erscheint am Samstag auf der Seite "Buch aktuell".
Ein "waschechter Weidener" ist Thomas Klupp nicht. Aber fast. Geboren 1977 in Erlangen, kam der Spross des Hals-Nasen-Ohrenarztes Dr. Eduard Klupp mit seiner Familie schon früh nach Weiden. Am mehr...
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