21. Wurzer Sommerkonzerte: Das Klarinettentrio Berlin präsentiert die große Bandbreite europäischer Literatur - Auch Musik von Nino Rota
Eine große Bandbreite deutscher, russischer, französischer und italienischer Literatur zeichnete das überzeugende Konzert des Klarinettentrios Berlin am Samstag zum 21. Wurzer Sommer aus. Wegen des unbeständigen Wetters fand die gut besuchte Veranstaltung nicht im Garten unter freiem Himmel, sondern im ehemaligen Marstall des historischen Sommersitzes des Waldsassener Abts statt.
Veranstalterin Dr. Rita Kielhorn hatte das international erfolgreiche Hauptstadtensemble nach seinem Oberpfalzdebüt im Sommer 2004 bereits zum zweiten Mal zu Gast. Konzertpianistin Maria Littauer, Klarinettist Matthias Höfele und Cellist Johannes Mirow (beide an Berliner Opernhäusern) überraschten ihr Publikum als äußerst vitales Ensemble mit einem attraktiven Programm.
Ein Ohrwurm, ein Schlager aus dem Wien des 19. Jahrhunderts, stand dem Konzert voran: "Bevor ich arbeite, brauche ich etwas zu essen" - so ungefähr lautet der Inhalt eines Terzetts aus Joseph Weigls Oper "Der Korsar", dessen Melodie Beethoven im dritten Satz seines Trio B-Dur op. 11 neunfach variiert. Dieses "Gassenhauer-Trio" zeigte die hohe Güte des Mini-Orchesters, das punktgenau in harmonischer Ausgewogenheit zusammenwirkte, aber auch jederzeit mit solistischen Stimmen zu beeindrucken wusste.
21. Wurzer Sommerkonzerte: Das Klarinettentrio Berlin präsentiert die große Bandbreite europäischer Literatur - Auch Musik von Nino Rota
Glinkas "Trio pathetique"
Den starken Einfluss westeuropäischer Musik auf russische Komponisten, besonders auf Michail Glinka, der sich durch intensives Reisen fortbildete, machte das 1832 entstandene "Trio pathetique" deutlich: Es wurde von den Berlinern sehr zupackend, zügig (mit extrem kurzen Satzpausen) und temperamentvoll "alla breve" entworfen. Eine höchst angenehme Bekanntschaft gab es durch das Es-Dur-Trio opus 44 der zu Lebzeiten erstaunlich erfolgreichen französische Komponistin Louise Farrenc (1804 bis 1875) zu machen. Unschwer war am brillant funkelnden und wirkungsvollen Klavierpart zu bemerken (Maria Littauer blühte auf!), dass die Komponistin nicht nur Professorin am Pariser Konservatorium, sondern selbst auch Pianistin war - und sicher noch viele Entdeckungen mehr zu bieten hat. Nino Rota, der Lieblingskomponist der Meisterregisseure Fellini, Visconti und Zefirelli, setzte mit seinem einzigen Trio den Schlusspunkt und erzählte den Zuhörern drei Geschichten, bei denen die Musiker ihr großartiges gestalterisches Können bestens beweisen konnten.
21. Wurzer Sommerkonzerte: Das Klarinettentrio Berlin präsentiert die große Bandbreite europäischer Literatur - Auch Musik von Nino Rota
Streit und Heiterkeit
Ein heftiger, sich tonal hinaufschraubender Streit zwischen Klarinette und Cello konnte nur einmal kurz durch einen ruhigen Klavierpart unterbrochen werden, bevor er erneut entflammte. Das Andante verströmte wohltuenden Frieden und Harmonie, bei der Johannes Mirow den tiefen Bass seines Cellos leuchten lassen konnte. Eine lustig-skurrile Jahrmarktszene, angeführt von der vorwitzig schräg jubilierenden Klarinette, beendete das Trio heiter. Das Publikum hatte aber noch lange nicht genug: Ein Dacapo des Rota-Finales und ein Menuett Mozarts verlängerten das Gastspiel nach viel Beifall.
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