Die Oberpfälzer Opernsängerin Christa Mayer debütiert bei Wagners "Ring" in Bayreuth
Bayreuth/Rummersricht. Richard Wagner stellte sich seine Erdgöttin Erda für den "Ring des Nibelungen" so vor: "weithin von schwarzem Haar umwallt!" Dieser Vorstellung kommt Christa Mayer schon allein äußerlich sehr nahe. Doch gerade für ihre überragende stimmliche Leistung wurde die Altistin nach ihrem Debüt im Bayreuther Festspielhaus bei "Rheingold" gefeiert.
Die aus Rummersricht bei Sulzbach-Rosenberg stammende Sängerin, die nach ihrer Ausbildung an der Bayerischen Singakademie und der Musikhochschule München den ARD-Musikwettbewerb und den Robert-Schumann-Wettbewerb gewann, ist seit sieben Jahren Ensemblemitglied an der Semperoper Dresden. Stardirigent Christian Thielemann rief sie für diesen Festspielsommer nach Bayreuth.
In Wagners "Der Ring des Nibelungen" stellt Christa Mayer diesen Festspielsommer in drei Opern die Erdgöttin Erda und die Walküre Waltraute dar - und die Interviewanfragen der Medien häufen sich.
Frau Mayer, wie fühlten Sie sich bei Ihrem ersten Auftritt vor den zweitausend Zuhörern im Bayreuther Festspielhaus?
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Die Oberpfälzer Opernsängerin Christa Mayer debütiert bei Wagners "Ring" in Bayreuth
Mayer: Wenn man neu in der Szene ist, wird man immer nervös sein. Aber ich liebe die Rolle der Erda, sie hat mich geradezu gefunden und ich fühle mich da sehr wohl. Das spürt wohl auch das Publikum.
Die neue Isolde, Iréne Theorin, hatte bei ihrem Debüt so schreckliches Lampenfieber, das sie sich als erkältet ankündigen ließ. Dabei glaubte ihr das kein einziger Zuhörer...
Mayer: Nun ja, die Rolle der Isolde ist schon ein andere als die der Erda.
Die großen Wagnersängerinnen begannen ihre Karrieren oft als Walküren in Bayreuth. Ist dies eine typische Einstiegsrolle für Größeres?
Mayer: Das mag sein, weil man sich schon in dem künstlerisch so hoch stehenden Umfeld bewegt von den großen Kollegen so viel lernen kann, bewusst und unbewusst. In Dresden habe ich eigentlich schon alle kleinen ersten Wagner-Rollen gesungen: Mein Wagner-Debüt gab ich beim Dresdner "Ring" als Rheintochter Flosshilde. Mir fehlen eigentlich nur noch die Fricka (Ring), die Brangäne (Tristan) und die Kundry (Parsifal) - alles andere habe ich schon in Dresden dargestellt, bin dafür ja extra engagiert worden.
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Als Waltraute tragen Sie in der "Götterdämmerung" eine Art Ritterrüstung. Aber was lässt sie Bernd Skodzig da Schwarzes als Göttin Erda tragen?
Mayer: Das ist ein sehr bequemes Kleidungsstück aus Jersey, mit einer Krinoline darunter. Darauf angebracht sind einer Satellitenantenne ähnliche Quirls, die zur Inszenierung Tankred Dorsts sehr gut passen. Ich bin froh, dass mich das Kostüm nicht beeinträchtigt, es ist so gesehen genial. Ich fühle mich gut gewandet, richtig in die Rolle gesteckt.
Und das Walküren-Outfit?
Mayer: Das ist schon etwas anderes, da bekomme ich Wickel, einen Brustpanzer und muss mit Speer und Schild umgehen.
Wird in Bayreuth eigentlich härter, anders, intensiver geprobt, als Sie es bisher von anderen Opernhäusern kennen?
Mayer: Eher weniger als sonst üblich, allein schon wegen des Drucks von sieben aufeinander folgenden Opernaufführungen durch ein einziges Orchester. Ich finde, es gibt hier in Bayreuth eine sehr gute Mischung aus Ruhepausen und Proben.
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Inspiriert dieser Ort auf dem Grünen Hügel? Das einzigartige Festspielhaus, das Richard Wagner selbst plante?
Mayer: Ja, sehr! Auch deshalb, weil hier nur Wagneropern aufgeführt werden. Diese Konzentration auf das Werk hilft: Alles wird hier so selbstverständlich: die Sprache, die Musik.
Spüren Sie etwas von der besonderen Akustik? Müssen Sie sich hier stimmlich besonders anstrengen?
Mayer: Die Akustik mit dem im Graben völlig verborgenen Orchester ist fantastisch, aber auch gewöhnungsbedürftig. Man lernt allerdings schnell, dass man seinem Körpergefühl vertrauen darf und nicht wirklich andere Dinge tun muss als sonst. Man kann hier als Sängerin selbst die eigenen Klänge genießen: Das hat mich bei meinem Debüt richtig gefreut!
Können Sie jetzt von Bayreuth aus öfters nach Hause fahren?
Mayer: Ja, das geht ganz wunderbar. Die Nähe von Zuhause hat mich bisher aus dem ganzen hiesigen Trubel wesentlich herausgehalten, so dass ich ruhiger bin als manch anderer. An anderen Spielorten, wie Venedig, Valencia, München oder Florenz bin ich ja fremd, habe eigentlich nur die Musik, die mich dort hält. Aber hier habe ich eine vertraute Umgebung in der Nähe, und da rutscht der Druck doch etwas weg. Das wusste ich vorher nicht, konnte ich gar nicht wissen.
Können Sie erklären, was Richard Wagners "Ring des Nibelungen" dem heutigen Zuhörer geben kann?
Mayer: Ja, klar: Wagner hilft dem Zuhörer sein Leben mit all den großen Gefühlen von Liebe, Verletzung, Verrat, Trauer und Sehnsucht auf einer überhöhten Ebene zu verarbeiten.
Sozusagen als Therapie?
Mayer: Musik ist sowieso immer Therapie!
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