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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  19.04.2008  | Netzcode: 1350705  |  711 Mal gelesen.

Kafkaeske Bogentänze und wilde Tonsprünge

Anna Maria Pammer und Patricia Kopatchinskaja überzeugen beim Förderkreis durch Höchstleistung

Weiden. Manchmal führt der Zufall besser Regie als die umsichtigste Planung: Mit den schon lange angesetzten "Kafka-Fragmenten" opus 24 von György Kurtag stimmte der Förderkreis für Kammermusik mit seinem 5. Meisterkonzert dieser Saison nun ideal auf die neu gestalteten Weidener Literaturtage ein. Wie immer in großer Zahl gekommen, belohnte das Publikum den Mut des Veranstalters, ungewöhnliche Wege mit Neuer Musik zu gehen.

Die nicht schulmeisterlich, sondern sehr entspannt vorgetragene Einführung des Regensburger Musikwissenschaftlers Randolf J. Jeschek erleichterte den Zuhörern das Verstehen des einstündigen zeitgenössischen Werkes. Mit den Interpretinnen, der Linzer Sopranistin Anna Maria Pammer und der aus Moldawien stammenden Violinistin Patricia Kopatchinskaja, standen hervorragende Musikerinnen zur Verfügung, denen das Publikum staunend vertrauen durfte.

Die vierteilige Vertonung von vierzig persönlichen Kurztexten Franz Kafkas gilt als eine der aufregendsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts und riss den Saal am Donnerstag in einen abenteuerlichen, unberechenbaren Strudel literarischer und kompositorischer Kreativität. Schon das erste Fragment "Die Guten gehen im gleichen Schritt" baute mit seinen "Tänzen der Zeit" eine Brücke zur laufenden Grass-Ausstellung"Letzte Tänze" und leitete ei.nen skurrilen poetischen Reigen ein, dessen kritische Sätze noch lange im Gedächtnis haften werden, wie etwa "Was wir Weg nennen, ist Zögern."

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