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Von Susanne Wolke  |  15.04.2008  | Netzcode: 1344892  |  543 Mal gelesen.
Regensburg/Passau

Los einer Dichterin im Bayerwald

Joseph Berlinger widmet sein neues Theaterstück Emerenz Meier - Uraufführung im Juli in Eggenfelden

Die Emerenz Meier lässt ihn nicht los: Joseph
Die Emerenz Meier lässt ihn nicht los: Joseph Berlinger hat ein neues Stück über die Dichterin geschrieben. Bild: Wolke
Regensburg/Passau. Emerenz Meier lebte zur falschen Zeit und am falschen Ort. Denn für eine freigeistige junge Dame mit schriftstellerischen Ambitionen lieferte ihr Geburtsort bei Waldkirchen im Bayerischen Wald um die Wende zum 20. Jahrhundert denkbar ungünstige Bedingungen.

Zwar entwickelte sich die junge Frau zu einer gewissen Touristenattraktion. Die entsprechenden Besucher waren aber wenig kunstsinnig. Sie kamen in erster Linie, um die kuriose Erscheinung "anzugaffen".

Der 80. Todestag



So beschreibt es Joseph Berlinger. Der in Regensburg lebende Schriftsteller schildert das Leben der Emerenz Meier in seinem neuesten Theaterstück. "Der Koppenjäger" hat am 2. Juli Uraufführung im Theater an der Rott in Eggenfelden. Das Stück kommt anlässlich des 80. Todestages der Dichterin auf die Bühne. Der Titel bezieht sich auf die gleichnamige ehemalige Passauer Schifferkneipe, die Emerenz Meier zu einem Künstlercafé umgestalten wollte.

Mit der Hauptfigur seines neuesten Werkes teilt sich Joseph Berlinger die Herkunftsregion. Auch er stammt aus dem Bayerischen Wald. Im Gegensatz zu Emerenz Meier allerdings, die mit ihren Hoffnungen scheiterte und deren Leben sich seit ihrer Auswanderung nach Amerika im Arbeitermilieu abspielte, hatte Berlinger mehr Glück: Seit gut 30 Jahren ist er als freischaffender Schriftsteller erfolgreich. Neben Features für den Bayerischen Rundfunk schreibt er in erster Linie Essays und Theaterstücke.

Den Auftrag für die Bühnenfassung des Lebens von Emerenz Meier erhielt Berlinger von den Intendanten der Europäischen Wochen in Passau und des Theaters an der Rott in Eggenfelden. Nach der Uraufführung soll das Stück dort ab Herbst in den Spielplan aufgenommen werden.

Briefe aus Chicago



Emerenz Meier gilt als eine der wichtigsten bayerischen Volksdichterinnen. Ihre Bedeutung erhält sie für Joseph Berlinger aber weniger durch ihre heimatlichen Geschichten sondern vielmehr durch ihre Briefe: Aus Amerika berichtete die ausgewanderte Emerenz ihrer daheim gebliebenen Freundin regelmäßig über das Leben in Chicago. "Existentiell ergreifend, kompromisslos ehrlich und radikal offen", so Berlinger. "Emerenz Meier schildert die Situation in Amerika in einer Deutlichkeit, wie es nur wenige gemacht haben." Dass die besagte Freundin später versuchte, die von den Ideen des Leninismus beflügelte Emerenz Meier mit dem Umfeld der Nationalsozialisten in Verbindung zu bringen, behandelt Berlinger in seinem Stück ebenso wie andere Gerüchte um seine frühe Kollegin.

"Der Koppenjäger" gibt auf verschiedenen Ebenen Einblicke in das Leben der Emerenz Meier. Handlungsort ist die gleichnamige ehemalige Passauer Schifferkneipe, die die Wirtstochter zwischen 1902 und 1903 gepachtet hatte.

Der erste Teil des Stückes von Joseph Berlinger schildert das Leben der Dichterin: Emerenz Meier wurde 1874 nahe Waldkirchen geboren und galt schon bald als literarisches Jungtalent des Bayerischen Waldes. Nach dem Scheitern ihrer Passauer Künstlerkneipe und dem finanziellen Ruin der Familie wanderte sie 1906 in die Vereinigten Staaten aus. Als Fabrikarbeiterin und Hausfrau begrub sie dort alle freigeistigen Ambitionen und starb 1928 vereinsamt und vom Alkohol ruiniert in Chicago.

Im zweiten Teil des Stückes greift Berlinger die weitere Geschichte des "Koppenjägers" auf. Revueartige Szenen schildern, was die Kneipe im Laufe des 20. Jahrhunderts erlebt hat. Auch Emerenz Meier zieht sich weiterhin durch das Stück. Die surreale Begegnung mit der verstorbenen Dichterin im Himmel kommt ebenso vor wie die Kommerzialisierung der Emerenz in der heutigen Zeit.

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