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Von Anastasia Poscharsky-Ziegler  |  04.09.2007  | Netzcode: 11069068  |  250 Mal gelesen.

Ein Cello und singende Streicher

David Geringas und das Vilnius-Quartett setzen Höhepunkt bei Konzert in Wurz

Püchersreuth/Wurz. Singende Saiteninstrumente, das erwartet der Musikfreund von einem arrivierten Ensemble unbedingt! Aber eine Primaria, die den rassigen Rhythmus des Stücks urplötzlich mit einem zackigen "ta-ta-ta-ta-ta" unterstreicht - und ein Streichquartett, dass zu seinem Part begeistert eine gewisse "Josefine" besingt - das war wohl doch für sie meisten der 380 Konzertbesucher neu und spannend.

Zum sechsten Mal



In der akustischen Ungestörtheit der vollbesetzten St. Matthäuskirche setzte das litauische Vilnius Quartett (das somit zum sechsten Mal seit 1990 in Wurz gastierte) mit seinem Landsmann, dem international bewunderten Meistercellisten und Professor an der Musikhochschule "Hanns Eisler" Berlin David Geringas, den künstlerischen Höhepunkt des 20. Wurzer Jubiläumssommers.

Jeder Musikfreund lernt einen Streicher gern bei den Solosuiten Bachs kennen, und jeder Streicher stellt sich gern mit Bach vor. Die erste Cello-Solosuite in G-Dur BWV 1007 gab Geringas voller Tempo, mit der geübten Lässigkeit eines Routiniers und sehr kurzen Satzpausen, welche aus dem Prélude und den folgenden sechs Tänzen ein geschlossenes Gesamtwerk formten.

Die Romantik war vertreten durch Schuberts höchst beliebtes Streichquintett C-Dur mit ungewöhnlichen zwei Celli, statt zweier Bratschen, im Todesjahr 1828 komponiert, aber erst 22 Jahre später posthum uraufgeführt. Hier reihte sich der Maestro in das von Audrone Vainiunaite geführte Ensemble ein, agierte zusammen mit Kollege Augustinas Vasiliauskas, und verlieh dem etwas kühlen und harten Klangbild des Vilnius Quartetts eine gewisse Weichheit, die besonders beim Adagio (das als eines der schönsten des 19. Jahrhunderts gerühmt wird) gefragt war, beim Scherzo dann aber leider zu vermissen war. Die grandiose gemeinsame Jagd der stretta im Finale, bewies, dass sich die Musiker schon lange kennen.

Zum Abenteuer mit Herzklopfen und einem positiven Eindruck aktueller Musik gereichte die gemeinsam mit dem Vilnius Quartett interpretierte zeitgenössische Komposition "David´s Song".

Sie war aus Anlass des 60. Geburtstags des Solisten im letzten Sommer entstanden, durch seinen lebenslangen Freund Anatolijus Senderovas (dessen Vater Michail Geringas erster Lehrer war), und 2006 uraufgeführt worden mit dem Vilnius Quartett.

Das Dunkel wird hell



Das Werk bildete einen klangmalerischen Spaziergang durch das Leben des kurz nach Kriegende in Vilnius geborenen Litauers mit deutschen und jüdischen Wurzeln.

Umrahmt von zwei Soli des Cellisten, bei denen das dreihundert Jahre alte italienische Guadagnini-Instrument seine ganz Strahlkraft entfalten konnte, entwickelte sich das Opus ohne durchgehendes Motiv aus den dunklen Schatten der Nachkriegszeit und dissonanten Klangfarben immer heller und freundlicher, bis es mit der Geburt der Enkelin Josefine die momentan glückliche Lebensphase des Musikers feierte. Tosender Applaus, Ovationen. Als Zugabe das berühmte Andante cantabile von Tschaikowsky.


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