Slawische und amerikanische Melodien
Rimsky-Korsakow-Quartett bei Wurzer Jubiläumsgala von 250 Besuchern gefeiert
Püchersreuth/ Wurz. Dieser Sommer muss sich schon noch anstrengen, will er seinem Namen Ehre machen. Doch die 250 Besucher des Wurzer Sommerkonzerts am Samstag in der St. Matthäuskirche bewiesen, dass sie doch eher verständige Musikverehrer als rustikale Gartenfreunde sind. Das fünfte Gastspiel des russischen Rimsky-Korsakow-Quartetts bei der seit zwanzig Jahren beliebten Konzertreihe von Dr. Rita Kielhorn, bewies erstklassiges Niveau innerhalb der Veranstaltungen die teils auch Fans der leichteren Muse entgegenkommen.Dass man es bei Primarius Michail Bondarev und seinen drei Kollegen mit der ersten Riege von Streichquartettkönnern zu tun hatte, wurde schon bei den ersten energischen Bogenstrichen bei Beethovens drittem der Rasumowsky-Quartette deutlich: sinnig war das Stück gewählt, verarbeitete hier der Komponist in Verehrung des damaligen russischen Botschafters in Wien immer wieder russische Folkloremotive in der Sprache der Wiener Klassik. Mit größter Spielfreude und Raffinesse strebte alles dem wahnwitzig rasanten Finale entgegen, das einst als Titelmelodie des "Literarischen Quartetts" diente.
Slawisches Kolorit begeisterte auch bei der Gemeinschaftsproduktion der drei namhaften Tondichter Alexander Glasunow, Anatoly Liadow und Nicolai Rimski-Korsakow: Das Quartett "Festtag" schilderte das Fest des Jahres aus drei verschiedenen Blickwinkeln: die Feierlichkeit und typische Chromatik slawischer Kirchenchöre wurde bei den "Weihnachtssängern" Glasunows umgesetzt, während Liadow in seiner "Glorifikation" der Heiligen Familie einen verklärenden geheimnisvollen Zauber entfachte und mit pizzicati wohl an Balalaikaklänge erinnern wollte, und Rimsky-Korsakow schließlich alles Emotionen in einen schnellen rhythmischen slawischen Freudentanz münden ließ. Der Höhepunkt des klangschönen und stets präzisen Stimmendialogs der ersten Geige mit Katja Belissova an der zweiten Violine, dem Bratschisten Alexej Popov und Stasch Lyamin am Cello, wurde Dvoraks "Amerikanisches" Quartett opus 96, das sowie Beethovens Rasumowsky-Quartette zu den "Top Ten" der Hitparade der Gattung gehört.
Größte Aufmerksamkeit bis in die hinterste Kirchenbank war spürbar, als im zweiten Satz Lyamin sein brandneues italienisches Instrument aus der Hand von Riccardo Bergonzi aus Cremona (gefertigt in kreativer Nähe zum historischen Stradivarihaus) bei einem großen Solo "einweihte" melancholisch und lebendig singen ließ, mit jener ergreifenden Mischung von Musikalität, die Dvorak in der Neuen Welt in einmaliger Art in sich aufsaugte, und von der das Quartett durch alle Sätze genauso stark geprägt ist, wie die über alles beliebte neunte Symphonie.
Angesichts der großen und einhelligen Anerkennung durch das Publikum spendierten die Meister aus St. Petersburg noch zwei exzellente Zugaben.
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