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Von (rg)  |  08.08.2007  | Netzcode: 11055873  |  679 Mal gelesen.

Bonhoeffer statt Bischof Meiser

Umbenennung der Meiserstraße gefordert - Diskussion im Arbeitskreis Rechtsradikalismus

(rg) Für Ewald Zenger ist es nichts weniger als ein "Skandal": "dass da eines Mannes gedacht wird, der ein erklärter Antisemit war". Keine Frage für den Stadtjugendpfleger: Er würde die Meiserstraße, gewidmet dem evangelischen Landesbischof im Dritten Reich (siehe auch NT vom Samstag), sofort umbenennen.

Zengers persönliche Meinung, wie er betont. Denn "im Arbeitskreis Rechtsradikalismus sind wir noch mitten in der Diskussion". Und auch dort gibt es unterschiedliche Ansichten zur Frage, ob der Name Hans Meisers (1881-1956) weiter eine Straße im Stadtteil Hammerweg kennzeichnen darf.

Was spricht dafür? Zum einen die unbestrittenen Verdienste des einstigen Landesbischofs um die evangelische Kirche. Zum anderen, dass es - womöglich - nicht Zweck eines Straßennamens ist, allein uneingeschränkt positive Erinnerungen wachzurufen. "Nur wer sich der Vergangenheit erinnert, kann die eigene Zukunft gestalten", erklärt beispielsweise Pfarrer Hans-Martin Meuß (Gemeindezentrum Weiden-Ost). "Wo ziehen dann wir die Grenze?", entgegnet Zenger. Erst dort, wo es darum gehe, Adolf Hitler die Ehrenbürgerschaft einer Gemeinde abzuerkennen? Sein Vorschlag: Zu Ehren eines NS-Opfers und Märtyrers solle die Meiser- zur Dietrich-Bonhoeffer-Straße werden.

"Er war Pragmatiker"



"Ein Straßenname ist nichts, womit man sich kritisch auseinandersetzt", glaubt Dekanatsjugendpfarrer Herbert Sörgel. "Das wird in der Tat als Ehrung verstanden." Hat Meiser eine solche verdient? "Er war Pragmatiker", stellt der evangelische Pfarrer von Flossenbürg fest. Der ehemalige Landesbischof habe "seine Kirche" durchs Dritte Reich laviert: "keine Tat, wofür man besonders geehrt werden müsste". Schließlich habe Meiser auch evangelische Pfarrer jüdischer Herkunft suspendiert. "Ein Zeugnis für Christus legte er nicht ab." Sörgels Fazit: Der Name Meiserstraße sei, "im Zuge der aktuellen Aufarbeitung dieser Geschichte", kaum haltbar.

Von einer "sehr schwierigen Frage, die wir nicht zwischen Tür und Angel lösen können" spricht Bürgermeister Lothar Höher. Er plädiert dafür, "in Ruhe" an die Diskussion heranzugehen. Vor einer möglichen Umbenennung müsse "der Grad der Schuld" ermittelt werden. Ähnlich vorsichtig äußert sich SPD-Fraktionschef Jens Meyer. "Eine diffizile Thematik. Ich würde da nichts vom Zaun brechen." Auch die Anwohner sollten vor der Entscheidung, die der Stadtrat treffen müsste, gehört werden.

Gremien anderer Städte haben in jüngster Zeit entschieden. Die "Entnennung" der Meiserstraßen in Nürnberg sowie München, wo sich Oberbürgermeister Christian Ude vehement für eine Änderung einsetzte, ist beschlossene Sache. "Wir haben deshalb keinen Druck", meint der Weidener OB in spe Kurt Seggewiß. "Sollte die Frage hochkommen, können wir in Ruhe recherchieren, das Thema aufbereiten und diskutieren." In Bayreuth ist die kontroverse Debatte inzwischen in vollem Gange. Zuletzt meldete sich die Israelitische Kultusgemeinde Bayreuth zu Wort, welche die Hans-Meiser-Straße (bestehend aus fünf Häusern) für nicht mehr tragbar hält. Auch Vorsitzender Felix Gothart schlug als Alternative eine Benennung nach Bonhoeffer vor. Der oberfränkische evangelische Regionalbischof Wilfried Beyhl lehnt die Umbenennung dagegen als "ungeeignetes Mittel der Vergangenheitsbewältigung" ab.

Umstrittene Straßennamen



Dass es allein mit dem Umwidmen der Meiserstraße wohl nicht getan wäre, deuten Ewald Zenger und Jens Meyer an. Beide lenken den Blick auf die Sedanstraße - eine alles andere als zeitgemäße Reminiszenz an die Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 1870. Die "Falken" (Sozialistische Jugend) unternahmen mit dem Stadtjugendring bereits einen erfolglosen Versuch, den kriegerischen Namen zu tilgen.

Ein weiteres Beispiel: die Tannenbergstraße. Die wenigsten kennen die wahre Bedeutung des Namens. Der nämlich bezieht sich auf die Schlacht beim damals ostpreußischen Tannenberg 1914, wo die deutschen Truppen die russischen vernichtend schlugen. Nicht nur Jens Meyer war dieser Hintergrund nicht bekannt. Tannenberg - "ich dachte da an einen Berg mit Bäumen."

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