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Von Tobias Schwarzmeier  |  07.08.2007  | Netzcode: 11055375  |  281 Mal gelesen.

Exzentrische Architektur des Vielklangs

Das russische "Rastrelli Cello Quartett" setzt im Wurzer Sommer neuen Glanzpunkt

Wurz. Als Namensgeber dient nicht etwa ein Komponist, sondern ein Architekt. Die instrumentale Besetzung und Musikauswahl ist eher ungewöhnlich. Und welches klassische Ensemble reist schon mit einem "Ersatzmann" an? Doch das passt zu den Exzentrikern vom "Rastrelli Cello Quartett", die im Historischen Pfarrhof einen Glanzpunkt bei den 20. Wurzer Sommerkonzerten setzten.

Unzählige Stilarten



Die Petersburger Kira Kraftzoff, Misha Degtjareff, Kirill Timofejeff und der Weißrusse Sergio Drabkine, der alle Stücke arrangiert, verfügen über ein eklektisches Repertoire aus unzähligen Stilen. Von Klassik und Volksliedern über Ragtime und Tango bis hin zu progressiven zeitgenössischen Songs reicht die Musikauswahl, die es schwer macht, in ihr einen anderen roten Faden zu finden als pure Spiel- und Experimentierfreude. Und so streichen, zupfen und tappen sich die Vier in die Herzen jedes Publikums. Als "Architekt" betätigte sich Drabkine bei der abwechslungsreichen "Georgischen Volkssuite, die er aus sechs Volksstücken Sulkhan Zinzadses erschuf. Der Baumeister des Rastrelli-Klanges steuerte mit dem experimentellen "Paganissimo" und einem traditionellen "Jüdischen Lied" auch zwei hörenswerte Eigenkompositionen bei.

Ob das sanfte "Andante Cantabile" Tschaikowskys, das wunderschöne "Melody" von Nikolay Sokolov, das spritzige "Night train" von Jimmy Forrest oder George Gershwins "Porgy and Bess"-Medley, bei dem auch die Zuhörer mit den Füßen mittappten - alles wirkt beim Quartett stimmig und authentisch.

So entstand nicht mal ein Bruch als Sergej Novikov, ein befreundeter Musiker, für den erst zum zweiten Teil angereisten Timofejeff einsprang. Hervorheben aus den - fünf - überzeugenden Quartett-Mitgliedern ist Kira Kraftzoff. Begnadet mit mitreißender Energie und einem ständigen Lächeln treibt er sein Cello, das er schon mal wie eine klassische Gitarre spielt oder es als Percussion-Instrument nutzt, zum Äußersten.

Klangliche Fülle



Sein exzessives Solo bei Paul Desmonds genialem "Take Five", erinnert stark an die finnischen Cello-Berserker von "Apokalyptica", die seit 1996 den Weg für reine Cello-Formationen ebneten. Doch mehr noch als die düsteren "Cello-Rocker" loten Kraftzoff und Co die klanglichen Möglichkeiten ihrer Instrumente aus.

Auch wenn im gut gefüllten Historischen Pfarrhof "nur" 300 statt wie am Vorabend in Zürich 1500 Musikfreunde dem russisch-weißrussischen Quartett begeistert zujubelten, gaben die "Rastrellis" wie schon 2004 bei ihrer Wurz-Premiere alles. Dort erhielten die jungen Musiker ihre erste Chance bei einer etablierten Konzertreihe. Ihren Dank statteten sie mit einem wunderbaren Konzert ab.


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