Kritisch, spannend und aktuell wie nie
Der gebürtige Oberpfälzer Horst Eckert legt seinen neuen Kriminalroman "Königsallee" vor
Düsseldorf. Der neunte Roman des mehrfach preisgekrönten Oberpfälzer Kriminalschriftstellers Horst Eckert ist jetzt im Handel zu haben. Der Leser sollte sich gut darauf vorbereiten: Es ist das beste Buch des Wahl-Düsseldorfers. Über vierhundert spannende Seiten sind selbst für routinierte Schnellleser nicht in einem Rutsch zu schaffen.Die Verwicklungen um einen spektakulären Kunstraub, eine drogensüchtige Richterstochter, Umtriebe der Russen-Mafia, die Unfähigkeiten von Kommunalpolitikern, die dunklen Seiten des Internets und das erschütternd analytische Bild unserer Gesellschaft gehen unter die Haut. Also, der Krimifreund sollte sich von der Welt für zwei, drei Tage in einen bequemen Lesesessel zurückziehen, das Handy ausschalten und ab und zu den Soundtrack zu "Mission Impossible" laufen lassen. Diese Adrenalin produzierende Melodie hört der ermittelnde Kommissar Jan Reuter als Handy-Klingelton bei jedem neuen Mord. Erst dann sollte er damit anfangen, sich durch die "Königsallee", die "Kö", die luxuriöse Einkaufsstraße und Flaniermeile Düsseldorfs zu schmökern.
Der neue Krimi erscheint im Dortmunder Grafit Verlag (409 Seiten, 18,90 Euro), ist eingereicht für den Deutschen Buchpreis 2007. Die Kulturredaktion sprach mit dem preisgekrönten Autor.
Ihre bisherigen acht Taschenbuch-Krimis werden bereits ins Tschechische, Französische und Niederländische übersetzt, aber "Königsallee" ist Ihr erstes Buch in Hardcover. Bedeutet dies eine bewusste Aufwertung durch den Verlag? Etwa mit Blick auf den Deutschen Buchpreis?
Eckert: Vielleicht erwartet mein Verlag eine erhöhte Aufmerksamkeit für ein gebundenes Buch. Seit letztem Herbst veröffentlicht Grafit seine Spitzentitel zwischen festen Deckeln. Ich freue mich darüber. "Königsallee" liegt sehr schön in der Hand.
Ihr Thriller beginnt mit dem Gedicht "Kommen wir zum Ende". Damit locken Sie den Leser auf eine Fährte, denn der Text stammt von einer sehr undurchsichtigen weiblichen Romanfigur...
Eckert: ... die einigen männlichen Ermittlern den Kopf verdreht. Dass eine Romanfigur dichtet und ihr Autor diese Verse wiederum zitiert, ist eine kleine literarische Spielerei mit Realität und Fiktion.
Überhaupt gehen Sie die "Königsallee" sehr literarisch an: den Romanteilen stellen Sie Zitate von Heinrich von Kleist, Ödön von Horvath, vom Maler Max Beckmann und einen Songtext der britischen Band Spandau Ballett voran. Warum zielen Sie so hoch?
Eckert: Nietzsche ist auch mit einer recht düsteren Zeile vertreten. Diese Zitate sind mir in den zwei Jahren, die ich an "Königsallee" gearbeitet habe, begegnet und spiegeln das Grundgefühl des Romans. Sie dienen zur Einstimmung des Lesers, mehr nicht.
Ihre Schilderungen des Düsseldorfer OB Dagobert Kroll enthalten Seitenhiebe auf dessen realen Kollegen OB Joachim Erwin. Mit diesem hatten Sie letztes Jahr ein Problem: Er verbot Ihnen eine Lesung Ihrer Erzählung "Wege zum Ruhm" in der Stadtbibliothek und nannte Ihre Erzeugnisse "parasitäres Geschreibsel"...
Eckert: ... weil Herr Erwin sich darin wiederzuerkennen meinte. Eine so kleinkarierte Reaktion hätte ich nicht für möglich gehalten. Doch dass ich für "Königsallee" die Figur eines Oberbürgermeisters brauchte, stand bereits fest, als ich vor zwei Jahren damit begann. Das Lesungsverbot ist also nicht der Anlass dafür, dass ich meine Figur des Dagobert Kroll erneut verwende. Aber der Ärger mit dem realen OB hat sicherlich meinen Blick auf die Niederungen der Lokalpolitik geschärft.
Für Düsseldorfer soll Ihr Krimi eine Art Promi-Ratespiel sein, auch andere Vertreter der Stadt und der Verwaltung sollen Sie aufs Korn genommen haben. Aber auch jeder andere erkennt gewisse unangenehme Verhaltenweisen der Politprofis….
Eckert: ... weil Dagobert Kroll und seine Kofferträger ihre Ebenbilder eben überall in Deutschland haben. Es geht mir im Roman um allgemeine menschliche Schwächen und Fehler. Meine Figuren sind natürlich frei erfunden. Dass man sich trotzdem vorstellen kann, die geschilderten Ereignisse könnten so stattfinden, macht nun mal den Reiz von Literatur aus.
Sie pflegen engen Kontakt zu polizeilichen Kreisen - aber wo hatten Sie eigentlich Gelegenheit superreiche Russen bei Ihren Einkaufs- und Lebensgewohnheiten zu beobachten? Der Oligarch Wladimir Turin samt seinen "Damen" und Denis Grusew scheinen sehr gut getroffen…
Eckert: Danke! Der Mafiaclan stammt aus Transnistrien, einem ziemlich unbekannten Landstrich zwischen der Ukraine und der Moldau-Republik. Wie es dort zugeht, haben mir zwei befreundete Entwicklungshelfer beschrieben. Die Damen des Clans sind zwar schwerreich, hatten aber bislang wenig Gelegenheit, ihren Hunger nach Luxus entsprechend zu stillen. Wie sie das in Düsseldorfs Edelboutiquen tun, ist das Produkt meiner Fantasie. Allerdings ließ ich mich dabei von Frauen beraten, die sich dort besser auskennen als ich.
Ihre Krimis sind stets überspitzte Bestandsaufnahmen des Zustands unserer Gesellschaft, Sie bringen zerrüttete Ehen, kaputte Familien, Kindstod durch Verwahrlosung, das Borderline-Syndrom ins Spiel. Doch sie vergessen nie in der Story, mögliche Ursachen deutlich zu machen.
Eckert: Sie sagen es: mögliche Ursachen. Die tatsächlichen Gründe bleiben ein Rätsel, auch für meine Ermittler. Es gibt viele Dinge, an denen Menschen zerbrechen oder zu Verbrechern werden können. Und mit der Aufklärung des Falls sind diese Ursachen nicht beseitigt, ist das Böse noch längst nicht aus der Welt geschafft. Ein Stück davon lauert vermutlich in jedem von uns.
Auch der "Held", Kommissar Jan Reuter, handelt am Ende im Schatten kriminell und wird auch noch befördert. Sind wir tatsächlich schon so weit?
Eckert: Vielleicht ist dies das eigentliche Thema des Buchs: Wie käuflich sind wir? Reuter wird befördert, weil er seinen obersten Chef, den Innenminister, in der Hand hat. Reuter erschrickt über sein eigenes Verhalten. Aber er rechtfertigt es vor seinem Gewissen. Das Leben ist voll solcher Lügen, im Privaten und erst recht in der Politik.
Sie haben bereits den "Marlowe" für "Aufgeputscht" und den Friedrich-Glauser-Preis für die "Zwillingsfalle" erhalten. Sie wissen schon, dass bei vielen großen Komponisten die neunte Symphonie die Erfolgreichste war?
Eckert: Mit Beethoven möchte ich mich wirklich nicht vergleichen. Wie erfolgreich das Buch wird, haben die Leserinnen und Leser in der Hand.
Planen Sie schon Ihre Lesereisen? Wann steht Ihre Heimat mit Weiden und Pressath im Terminkalender?
Eckert: Ein Oberpfalz-Termin steht bereits fest, der 8. November in Pressath. Ich freue mich schon darauf.
Weitere Informationen:
www.horsteckert.de
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