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Von (vv)  |  09.06.2007  | Netzcode: 11023517  |  189 Mal gelesen.
Weiden

Auf neues Glück setzen

Selbsthilfegruppe redet lieber statt zu spielen

Weiden. (vv) Der dritte Jahrestag ist vorbei. Seither ist Peter "trocken", besser gesagt "trockener Spieler". Sein Rettungsanker war die Familie, die ihn immer wieder auf sein Problem aufmerksam machte - und der 36-Jährige begab sich schließlich in eine Klinik. Für den gleichen Weg hat sich vor kurzem erst wieder ein Mitglied der Selbsthilfegruppe "Anonyme Spieler", die es seit Ende Januar gibt, entschieden.

"Das ist für uns natürlich ein Erfolg", zieht Peter gut vier Monate nach der Gründung Bilanz. Er hat die Gruppe im Januar ins Leben gerufen, unterstützt von Gabriele Frischholz-Dangrieß, die im Bezirkskrankenhaus Wöllershof im Suchtbereich tätig ist.

Mit Automat abschalten



Die Sozialpädagogin weiß, dass ein Anstoß aus dem familiären Umfeld oft wichtig ist. "Es allein mit einer Selbsthilfegruppe zu schaffen, ist schwer." Allerdings könne diese ein Anfang sein, auch für Angehörige - oder eine Hilfe für "trockene Spieler" nach der Therapie, um mit "Gleichgesinnten" über die einstige Faszination zu sprechen.

Für Außenstehende oft unverständlich: "Den Spielern ist eigentlich klar, dass sie auf Dauer nicht den großen Gewinn machen können." Aber die Automaten helfen ihnen offenbar beim Abschalten. Dazu kommt die Hoffnung, "heute ist mein Glückstag". Danach freilich komme die "große Reue", betont die Sozialpädagogin. Und am Ende steht oft der Schuldenberg.

Was zunächst als monatliches Treffen angedacht war, wuchs sich sofort auf wöchentliche Zusammenkünfte aus, schildert Peter die Anfänge der Gruppe. Sein Anliegen war es, Antworten auf seine Fragen zu finden. Doch dann kam es anders als gedacht: Er ist Organisator und "als Pate" für andere da. "Das tue ich gerne", schiebt er hinterher. Mit einem weiteren Mitglied hat er sich sogar einmal in die "Höhle des Löwen" gewagt und in sämtlichen Spielhallen Weidens nach einem vermeintlich verlorenen Schäfchen gesucht. "Alleine würde ich nicht hineingehen."

Mittlerweile treffen sich die "Anonymen Spieler" alle zwei Wochen. Denn wenn jeder Samstag um das Problem kreist, wird es zu viel. Für die Teilnehmer sind die Treffen kostenlos und - wie der Name schon sagt - anonym. Kürzlich ging's statt in die Malteser-Räume einfach mal ins Café.

Zu sehr an feste Konzepte will sich die Gruppe nicht halten, auf die Bedürfnisse der einzelnen eingehen. Ab und zu kommt der Gründer einer Selbsthilfegruppe in Regenstauf zum Austausch nach Weiden. "Überrascht" von 16 Gästen war Frischholz-Dangrieß bei einem Treffen, an dem sie auf Einladung der Gruppe teilgenommen hat. Neben Betroffenen sind es vor allem Angehörige, die immer wieder mit Fragen auf sie zukommen.

Anerkannte Krankheit



Am Anfang kamen sechs bis sieben "Anonyme Spieler" in den Räumen des Malteser-Hilfsdienstes zusammen, derzeit besteht der feste Stamm nur aus drei Personen. "Es ist etwas Flaute", gibt Peter zu. Auch deswegen, weil der eine oder andere Spieler in eine stationäre Therapie gewechselt hat.

"Die Plätze in Deutschland sind alle voll", berichtet Frischholz-Dangrieß über den hohen Bedarf. Mittlerweile rücke Spielsucht immer mehr in das öffentliche Interesse und werde als Krankheit anerkannt. Peter rechnet daher mit weiterem Zulauf.


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