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Von Andrea Roßner  |  03.05.2007  | Netzcode: 11005295  |  4648 Mal gelesen.
Amberg/Weiden

"Die härteste Zeit meines Lebens"

Vanessa Kanapin will Popstars-Stempel verwischen lassen: Zusage für Rock-/Popschule in Berlin

Amberg/Weiden. Ein kleiner Mensch hat Großes vor: Die 19-jährige Vanessa Kanapin aus Sulzbach-Rosenberg spricht im Interview mit koNTrast über ihr Leben als Ex-Popstars-Teilnehmerin. Sie erklärt, wie wichtig es war, zu erfahren, wie sie es im Musik-Geschäft einmal nicht machenmöchte.

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Seit Popstars weiß Vanessa Kanapin, was es heißt, wenn man sagt: "Das Musikbusiness kann hart sein." Neben der Schule arbeitet die 19-Jährige momentan in Amberg an ihren Aufnahmen. Bild: Steinbacher
"Ex-Popstar Vanessa" - nervt dich diese Anrede?

Vanessa: Es gibt natürlich immer noch ein paar Leute, die mich so nennen. Die Staffel hat meiner Meinung nach auch einen ziemlich großen Eindruck bei den Zuschauern hinterlassen, deswegen sehe ich es als völlig normal an. Für meine musikalische Zukunft möchte ich soviel Zeit vergehen lassen, bis der "Popstars-Stempel" ganz verwischt ist.

Wie bewertest Du deine Teilnahme bei Popstars mit ein bisschen Abstand? Wohin hat es dich in deinen Augen gebracht?

Vanessa: Ich habe durch die guten Zusprüche der Jury anfangs natürlich viel mehr musikalisches Selbstbewusstsein bekommen. Mir wurde klar, dass ich wirklich Talent haben muss. Ich habe viele Dinge gelernt, vor allem wie man miteinander umzugehen hat, wenn man Monate lang 24 Stunden miteinander verbringt. Ich hatte viel Spaß und habe, was am Allerwichtigsten war, zum Glück mein Gesicht bewahrt und mich nicht verbiegen lassen.

Wie hat dein Umfeld - also Familie, Freunde, Bekannte - auf deine "neue Prominenz" reagiert? Hast du jetzt vielleicht ein paar "Freunde" mehr als vorher?

Vanessa: Freunde mehr habe ich jetzt mit Sicherheit nicht. Ich weiß jetzt eher, wer die wahren sind. Die ersten Monate waren für mich die härteste Zeit meines Lebens. Man kommt nach Hause, mit Erfahrungen, die kein Mensch wirklich nachvollziehen kann, wird wieder in sein alltägliches Leben geschmissen und kommt sich die erste Zeit vor, als wäre man der "einzigste Außerirdische" unter allen Normalen. In der Schule kamen auch alles andere als positive Reaktionen. Danach war selbst ich, die immer viel Selbstbewusstsein zugesprochen bekommen hat, irgendwann einfach ausgeschöpft. Ich überlegte mir oft, die Schule abzubrechen. Wenn man sich dann ganz allein mit seinen Problemen fühlt, kommt natürlich noch dazu, dass Fans das nicht sehen und sie dich genauso behandeln, wie du dich eigentlich im Moment gar nicht fühlst. Dieser Widerspruch, und dann natürlich noch, dass ich erst Monate später verstand, dass mein Vater ja wirklich nie mehr wieder kommt, brachte mich in ein großes seelisches Tief.

Wie hat Popstars dich deiner Meinung nach verändert?

Vanessa: Ich weiß seitdem, was es heißt, wenn man sagt: "Das Musikbusiness kann hart sein". Ich habe jetzt die Erfahrung gemacht, wie ich es mit Sicherheit einmal nicht machen möchte. Ich weiß nun für mich, dass es viel mehr bedeutet, Musik zu machen. Talent ist da nur ein ganz kleiner Bestandteil.

Trotzdem möchtest du Musikerin werden?

Vanessa: Ich für mich habe beschlossen, Musikerin zu werden, sei es in einer Kneipe jeden Samstagabend oder in ausverkauften Arenas. Ich bin kein Mensch, der sich als Schnellproduktion und mit falschem Image vermarkten lässt, um dann zwei Jahre später von den Menschen, die dich anfangs so toll fanden, fallen gelassen zu werden. Ich möchte den Menschen meine Seele auf der Bühne präsentieren - entweder es gefällt ihnen und es vermarktet sich gut, oder eben nicht.

Wenn du Monrose hörst, denkst du dann manchmal daran, dass du Teil der Band hättest sein können?

Vanessa: Ja, das denke ich mir oft, und ich bin jedes mal heilfroh, dass ich kein Mitglied der Band bin. Also, nicht falsch verstehen: Ich würde lieber jetzt auf den Bühnen Deutschlands stehen, als in der Schule zu sein und zu büffeln, aber nicht als eine von Monrose. Sie tun mir wahnsinnig leid, weil sie nicht so sein können, wie sie eigentlich sind, und dafür nicht einmal durch einen Echo oder eine Teilnahme am Grand Prix getröstet werden.

Hätte die Band deinem Stil entsprochen, beziehungsweise hättest du dich mit dieser Musik wohl gefühlt?

Vanessa: Nein, ich bevorzuge grundsätzlich Songs, bei denen ich jedes einzelne Wort auch fühle und ernst meine. Auch die Richtung ist nicht die meine, ich bevorzuge eine Mischung aus Rock/Pop/Soul.

Hast du noch Kontakt zu den Teilnehmern von damals?

Vanessa: Ich habe noch Kontakt zu Elli und Kristina von Bisou, zu Achan, die jetzt eine Rolle bei "König der Löwen" bekommen hat, und zu Anina, die eine sehr, sehr gute Freundin von mir geworden ist.

Was machst du momentan musikalisch?

Vanessa: Im Moment freue ich mich natürlich wahnsinnig auf meinen Gastauftritt im diesjährigen Musikomm-Musical. Ein kleiner Ausflug von der Rockröhre, ins Musicalleben sozusagen! Neben der Schule arbeite ich im Musikomm viel an meinen Studioaufnahmen. Sobald ich wieder etwas Außergewöhnliches im Radio höre, was meinem Typ entspricht, renne ich ins Studio und nehme es auf.

Wie sieht deine persönliche Berufs- oder Karriereplanung aus?

Vanessa: Vor zwei Wochen habe ich die Zusage für die Rock-/Popschule in Berlin bekommen. Dort fange ich im Januar an, mein Handwerk erst einmal richtig zu lernen, damit ich mich später überhaupt einmal Sängerin schimpfen darf.


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