Amberg
Bundespolitik als Trumpfkarte
Horst Seehofer stellt sich in Amberg Fragen der Redaktion - Klares Wort "zu gegebener Zeit"
Amberg. Er sei kein Netzwerker, kein Taktierer, keiner, der Bataillone um sich sammle. "Ich will mit eigener Kraft überzeugen", sagt Horst Seehofer, während ihm an einem Kaffeetisch des Amberger Congress Centrums die Sonne ins Gesicht scheint. Gerade eben erntete er für eine mit Pointen gespickte Rede beim Bayerischen Jägertag stehende Ovationen.
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| Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) in Amberg: Parteivorsitz als Ziel. (Bild: Petra Hartl) |
"Der kann reden", sagte einer im Publikum, nachdem Seehofer auch klargestellt hat, dass er als Bundeslandwirtschaftsminister beileibe nicht der "oberste Jäger" sei, was in seiner derzeitigen Lebenssituation "ohnehin eine zweifelhafte Einschätzung wäre". Seine außereheliche Affäre überschattet auch diesen Auftritt in Amberg. Überall, wo der 57-Jährige hinkommt, ist das Menetekel des zerrütteten Familienbildes schon da. Gleichwohl will er dazu auch hier nicht Klartext reden.
"Nicht auf Druck"
Noch nicht. "Privat bleibt privat", sagt er. "Diese Angelegenheit bespreche ich mit denen, die sie angeht." Dass aber alle darauf warten, ob und wie der möglicherweise nächste CSU-Chef und dreifache Vater sein lange als vorbildhaft geltendes Eheleben zurechtrückt, weiß er auch. Deswegen wenigstens eine Ankündigung: Das Ergebnis solcher Gespräche werde "zu gegebener Zeit" öffentlich. "Aber nicht auf Aufforderung und nicht auf Druck."
Hier gehe es nun mal nicht um die Abarbeitung einer politischen Tagesordnung. Letztere, das darf man dem im elften Jahr als Minister tätigen Politiker glauben, liegt ihm eher. Selbst, wenn es der heikle Kampf gegen Erwin Huber um den Posten des Parteichefs ist. "Ich will gewinnen", sagt Seehofer, grinst und schlürft an seinem Kaffee, um dann zu erklären, warum. Der Erfolg der CSU speise sich aus zwei Quellen: der Verwurzelung in Bayern und der Sonderrolle in Berlin. "Es ist der bundespolitische Gestaltungsanspruch, den ich auf natürliche Weise verkörpere."
Über seinen Kontrahenten aus Niederbayern sagt der Ingolstädter im Grunde nichts Schlechtes. Nur dessen Vorschlag, Edmund Stoiber könnte Vorsitzender der Hanns-Seidel-Stiftung werden, lässt er nicht einfach so stehen. "Diese Gedanken waren unnötig und überflüssig." Dass es nun zwei Bewerber um das Amt des Parteivorsitzenden gibt, betrachtet Seehofer als Segen für die CSU. "Die Zeit ist vorbei, in der die Parteitage reine Rituale waren." Er könne sich gut vorstellen, dass die Entscheidung erst dort, etwa durch eine Rede, fällt.
Basis mehr einbinden
"In der Vielfalt der Anschauungen und Lebensentwürfe liegt die Kraft", sagt er. Vielleicht der Grund, warum er die umstrittene Fürther Landrätin Gabriele Pauli nicht angreifen will. Seehofer gibt sich als Freund des Dialogs. "Wir brauchen eine andere Art und Weise des Umgangs miteinander", erklärt er seine Vision von der künftigen CSU. Eine stärkere Beteiligung der Basis sei wünschenswert und eine Verjüngung, quer durch alle Gremien.
Mehrere Male ("Das Neue muss immer besser sein als das Alte") zitiert Seehofer den "großen Übervater" Franz Josef Strauß. Unter ihm sei die CSU auch beim Thema Außenpolitik "führende Kraft in Deutschland" gewesen. "Ich würde dieses Thema wieder stärker besetzen."
Ein schärferes umweltpolitisches Profil sei ebenso wichtig wie eine klare Position in der Familienpolitik. Damit meint er die "echte Wahlfreiheit" bei der Kinderbetreuung. Als der Begriff "Familienpolitik" fällt, liegt sein Werben um die "Vielfalt der Lebensentwürfe" noch im Ohr.
Nach seiner Visite bei den Jägern in Amberg muss der Landwirtschaftsminister beim 60. Geburtstag von Europaabgeordnetem Albert Deß im 30 Kilometer entfernten Röckersbühl Präsenz zeigen. Natürlich nicht, um Bataillone zu sammeln, sondern schlicht und einfach, um zu gratulieren. Als Seehofer kommt, ist Erwin Huber auch schon da.
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