Filmkritk
Ganz nah beim Kitsch
Almut Getto, Ganz nah bei dir (Deutschland 2009)
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Filmkritk. Almut Getto fiel vor sieben Jahren mit einem coolen Titel auf: "Fickende Fische". Der mit dem Titel gelieferte Liebesfilm um einen HIV-infizierten Sechzehnjährigen war leider konventionell und sentimental bis zum kitschigen Ende. Und war vielleicht auch deshalb sehr erfolgreich, mit 114 Tsd. Besucher/innen (Quelle: FFA).
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| Bastian Trost in Almut Gettos "Ganz nah bei dir" (2009). Bilder: timebandits films GmbH. |
Der eigenbrötlerische Falschgeldprüfer Philip (Bastian Trost) lebt seine Zwangsneurosen auch im öffentlichen Raum und an der blinden Cellistin Lina (Katharina Schüttler) aus. Von Bedauern und Selbstbehauptung genährt, wächst zwischen den beiden eine zögerliche Liebschaft heran, und nach einem aus gekränkter Eitelkeit verübten Falschgeld-Coup leben sie vielleicht glücklich bis zum Tod.
Was im letzten Drittel zu der blöden Komödie geraten ist, nach der dieses Exposé klingt, ist nichtsdestotrotz eine knappe Stunde lang geschickt gegen den plot inszeniert. Getto und Kameraleiter Michael Wiesweg kontrastieren mit statischer Szenerie versus (für die Absicht zu wenig) bewegter Kamera den starr korsettierten Alltag Philips mit der - leider nur behaupteten, da nicht erkennbar an eine Motivation im Charakter zurückgebundenen - forcierten Launenhaftigkeit Linas.
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Alles bis auf ein Element: Philips Arbeitsplatz. Eine erstaunlich platzverschwendende Konstruktion einer Falschgeld-Prüfstelle, in der die Angestellten verloren gehen hinter abschottenden Aufbauten, eine überschaubare Kulisse mit Fluchten und Hohlräumen, Vorsprüngen und (Schutz-)Nischen - vorzüglich geeignet, das auf Transparenz und Heimlichkeit gleichermaßen und doch auch gar nicht abzielende Treiben einer staatlichen Behörde zu visualisieren. In dieser Kulisse steckt eine Terry-Gilliamsche Wucht, die leider verpufft in einer schließlich romantischen Liebeskomödie.
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