Meuterei im Paradies
Präsident Nasheed räumt seinen Amtssitz
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| Präsident Nasheed räumt seinen Amtssitz - um des Friedens willen. Bild: dpa |
Dabei war Präsident Mohamed Nasheed ein Hoffnungsträger. Als erster frei gewählter Staats- und Regierungschef des kleinen muslimischen Landes löste er im Herbst 2008 Maumoon Abdul Gayoom ab. Gayoom war zu dem Zeitpunkt der am längsten amtierende Machthaber Asiens. Unter seinem Regime war Nasheed als Oppositionspolitiker inhaftiert und gefoltert worden. 30 Jahre lang hatte Gayoom die
Inselkette mit eiserner Hand regiert. Mit eiserner Hand gegen den politischen Gegner vorgehen - genau das wollte Nasheed nicht.
«Ich will nicht durch Gewalt an der Macht bleiben», sagte Nasheed in seiner Ansprache an das Volk. Die Amtsgeschäfte übernahm Nasheeds Stellvertreter, Mohammed Waheed Hassan, der auch Unterstützung in Gayooms Partei (PPM) genießt. Der Opposition ging es nach Ansicht von Beobachtern weniger um einen Sturz der Regierung: Ihr war vor allem der charismatische Nasheed ein Dorn im Auge, der Gayoom aus dem Amt gejagt hatte und als «Ikone des Wechsels» gefeiert worden war.
Große Änderungen werden unter Waheed nicht erwartet, erst recht keine Islamisierung des Urlaubslandes. Der neue Staats- und Regierungschef hat lange für die Vereinten Nationen gearbeitet, unter anderem als Leiter des Flüchtlingshilfswerks Unicef in Kabul und in der UN-Zentrale in New York. Er gilt als westlich geprägt.
Nasheeds Gegner mobilisierten schon seit langem. Islamistische Parteien sind zwar nicht im Parlament vertreten. Die Oppositionschlug im Streit mit dem Regierungschef auf einmal aber islamistische Töne an. Ihre populistische Kritik an Massagen in Ferienresorts führte zum Jahreswechsel zu einer drastischen Reaktion Nasheeds: Er ließ die Wellness-Angebote verbieten - mit potenziell schwerwiegenden
Folgen für den Tourismus, der wichtigsten Einnahmequelle des Landes.
Das ging der Opposition dann doch zu weit, sie schrie auf: Schließlich gehören führenden Oppositionspolitikern ebenfalls Hotels, Gayoom hatte den Tourismus überhaupt erst auf die Malediven gebracht. Das Wellness-Verbot, das für internationale Negativ-Schlagzeilen sorgte, wurde nach wenigen Tagen wieder beerdigt.
Im vergangenen Monat kam es dann zum Eklat, als ein umstrittener Richter festgenommen wurde. Er hatte zuvor einen Oppositionspolitiker, dem die Regierung Verleumdung vorwarf, aus der Haft entlassen. Die Krise eskalierte, die Proteste nahmen zu. Am Dienstag schließlich meuterten Polizisten, die abtrünnigen
Sicherheitskräfte liefen zu den Demonstranten über. Das Militär setzte Tränengas ein. Es kam zum Showdown - und Nasheed gab auf.
Reiseveranstalter strichen Ausflüge nach Male, auch das Auswärtige Amt riet von Besuchen der Hauptinsel ab. Ansonsten dürften die Urlauber, darunter 5000 Deutsche, auf ihren abgelegenen Ferieninseln von dem Drama nur wenig mitbekommen haben. Es habe ein paar Nachfragen von Menschen gegeben, die einen Besuch auf den Malediven planten, hieß es in einem der Hotels. Darüber hinaus sorgten sich die Urlauber aber nicht weiter über die Ereignisse. Und das Tourismusministerium versicherte, «dass die derzeitigen Probleme auf den Malediven keinerlei Auswirkung auf Touristen haben werden».
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