MDR-Fernsehballett ist Geschichte
Nach 50 Jahren: Sender trennt sich von den "schönsten Beinen des deutschen Fernsehens"
Das MDR-Fernsehballett hatte vergangenes Jahr mit einem Auftritt beim Geburtstag des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow für Negativ-Schlagzeilen gesorgt. Sechs Tänzer hatten am 5. Oktober bei einer Gala in Grosny getanzt. Kadyrow werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Der Geschäftsführer des Balletts wurde nach dem umstrittenen Auftritt abgemahnt.
Drefa-Geschäftsführer Uwe Geißler nannte «operative und strategische Gründe» für den Verkauf des Fernsehballetts. «Es ist sicherlich mit ein Punkt, dass das Ballett in den vergangenen beiden Jahren einen kleinen Verlust eingefahren hat», sagte Geißler der Nachrichtenagentur dpa in Leipzig. Die Drefa wolle sich außerdem in Zukunft auf ihr Kerngeschäft - Film- und Fernsehproduktionen - konzentrieren.
Dazu komme die neue Programmstrategie des MDR-Fernsehens, sich stärker auf regionale Bezüge zu fokussieren und sich zu verjüngen. Geißler: «Das wird in Teilen zulasten der Unterhaltung gehen», so dass die Drefa keine großen Wachstumspotenziale für das Ballett gesehen habe.
Der MDR-Tochter gehörten 40 Prozent der Anteile des Fernsehballetts. Die anderen beiden Altgesellschafter waren eine Promotion-Agentur aus Berlin und die Tellux Beteiligungsgesellschaft, deren Mehrheitsgesellschafter wiederum neun katholische Bistümer sind. Die Drefa hatte die Anteile der Altgesellschafter übernommen und das Geschäft mit Wolf besiegelt. Bei ihm habe man die größte Gewähr gesehen, dass das Fernsehballett in eine gute Zukunft überführt werde, sagte Geißler.
Das Fernsehballett feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. 1962 hatte der Deutsche Fernsehfunk der DDR die Tänzer und Tänzerinnen erstmals aufs Parkett geschickt. Sie gehörten bald untrennbar zu Fernsehshows wie «Ein Kessel Buntes».
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