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30.01.2012  | Netzcode: 3123072  |  417 Mal gelesen.

«Es ist nichts mehr da.»

Familie Schlecker steht vor dem Ruin

Bild zu «Es ist nichts mehr da.»
Meike Schlecker sitzt im Blitzlichtgewitter und scheint einfach durch die Reporter ins Leere zu blicken. Bild: dpa
Ehingen (dpa) Meike Schlecker sitzt im Blitzlichtgewitter und scheint einfach durch die Reporter ins Leere zu blicken. Sie will eine Botschaft loswerden, die es in sich hat: «Es ist nichts mehr da.» Fünf Wörter braucht sie, um den Mythos ihres Vaters Anton Schlecker und der ganzen Familie zu entzaubern. Fünf Wörter für den Verlust eines Milliardenvermögens und einer Drogeriekette.

Doch auch in der Notsituation lassen sich das Unternehmen und die Familie nicht komplett in die Karten gucken, wichtige aktuelle Zahlen wie Umsatz oder Höhe der Verluste bleiben ungenannt. Branchenkenner gehen von unter 6 Milliarden Euro Umsatz im vergangenen Jahr aus. Es ist das erste Mal seit den 1990er Jahren
überhaupt, dass Schlecker die Journalisten zu eine Pressekonferenz nach Ehingen bei Ulm eingeladen hat. Die Tochter des Firmengründers stellt sich als einziges Familienmitglied diesem Forum.

In dem nüchternen grauen Besprechungsraum ringt Meike Schlecker um Fassung. Während neben ihr der vorläufige Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz Zuversicht verbreiten will, ist die 38-Jährige für das Private zuständig. Sie müsse mit einigen Gerüchten aufräumen, sagt Schlecker. «Es wurde immer gesagt, wir hätten hunderte von Millionen auf die Seite geschafft.» Doch das stimme nicht. «Das Vermögen meines Vaters war immer das Unternehmen», sagt die Managerin.

Und das ist nicht alles. Meike und ihr 40-jähriger Bruder Lars selbst glauben an den Umbau des väterlichen Konzerns. Sie hätten gute Teile ihres eigenen Geldes in die Hand genommen, um in den vergangenen Jahren den laufenden Betrieb und die Eröffnung moderner Filialen zu finanzieren, sagt die Betriebswirtin. Alles futsch?
Zumindest vorerst. Denn einige Lichtblicke gebe es. «Wir versuchen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Wir geben uns kämpferisch. Wir glauben an die Restrukturierung», sagt sie. Neue, großzügige Läden sollen die Kehrtwende bringen. Und auch die Marke Schlecker soll bleiben.

Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz sekundiert: «Ich stehe der Familienlösung offen und positiv gegenüber.» Es gebe genügend Masse für das Insolvenzverfahren, sagt er zumindest. Denn einen Vorteil hat die Symbiose von Familie und Unternehmen zumindest: Schlecker wollte unbedingt unabhängig bleiben. Die Banken blieben außen vor, die Expansion der Drogeriekette wurde aus dem laufenden Geschäft
finanziert - und die Firmenstruktur sei für ein Unternehmen der Größe ziemlich übersichtlich, sagt Geiwitz.

Er muss keine eigene Privatinsolvenz Schleckers betreuen - durch die Zahlungsunfähigkeit der Anton Schlecker e.K. (eingetragener Kaufmann) ist dieser gleich selbst betroffen. Denn die Haftung wird durchgereicht. «Ich will mich hier nicht beschweren und wir werden auch zurechtkommen», sagt die 38-Jährige fast trotzig. Dabei ist es Ironie der Geschichte, dass sie 1987 wegen des Geldes zusammen mit
ihrem Bruder Lars entführt wurde.

Noch in den jüngsten Listen deutscher Milliardäre, die etwa das «Manager Magazin» oder «Forbes» regelmäßig vorstellen, waren die Schleckers enthalten - an die zwei Milliarden Euro sollten sie «wert sein». Doch wo sind die Milliarden? Es gibt das Filialnetz, es sind Lager vorhanden, oder auch ein großes Anwesen im heimischen Ehingen. Dabei gehören die Immobilien der noch rund 6000 Läden in Deutschland keineswegs den Schleckers. Sie sind Mieter.

Letztlich waren es keine großen Beträge, die Schlecker zunächst straucheln und am Freitag vor zwei Wochen in die Insolvenz stürzten. «Ein zweistelliger Millionenbetrag» gab den Ausschlag, den die Kette nicht refinanzieren konnte, erklärt Geiwitz. Und es habe keine geheime Quelle gegeben, sagt Meike Schlecker, «sonst hätten wir nie Insolvenz angemeldet». Ihre Botschaft ist sie losgeworden. Doch am Ende sieht sie sich und die Familie noch lange nicht.

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