Mord in Weiden
Opfer ist ein 66-jähriger Rentner aus Weiden - Spaziergänger der wichtigste Zeuge
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| Der Fundort des Mordopfers wird von der Polizei auf Spuren hin untersucht. Bild: Huber |
Die Kriminalpolizei Weiden konnte die Identität des Opfers noch in der Nacht klären: Demnach handelt es sich um einen 66-jährigen Weidener mit deutscher Staatsbürgerschaft. Wolfgang B. war Rentner. Er lebte getrennt von seiner Frau und hatte sich in den letzten 20, 30 Jahren völlig aus dem gesellschaftlichen Leben des Wohngebiets Konradshöhe zurückgezogen. Seine Familie betrieb früher ein Sägewerk in Weiden. Mit seinem Wohnsitz ist er in einem Haus unweit der Polizeiinspektion gemeldet. Beide Gebäude befinden sich rund 800 Meter vom Tatort entfernt.
Nicht erfolgreich verlief dagegen bislang die Fahndung nach dem Fahrzeug, das der Zeuge gesehen hat. Das Landratsamt Neustadt/WN verschaffte den Ermittlern am Abend Zugang zu ihrer Zulassungsstelle. Vom Kennzeichen sind laut Michael Rebele, Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg, nur Fragmente bekannt. Nach NT-Informationen handelt es sich um eine Neustädter Nummer (NEW) mit zwei weiteren Buchstaben. Sämtliche denkbaren Kombinationen werden überprüft.
Am Donnerstag ging die fieberhafte Suche nach dem Tatwerkzeug weiter. Etwa vier Meter neben der Leiche lag eine Armbrust im Gras, ein schwarzes Modell aus Metall, wie es in US-Shops und auf tschechischen Märken angeboten wird. Allerdings wollte Rebele nicht bestätigen, ob es sich dabei um die Tatwaffe handelt. Das Opfer wies Stichverletzungen aus. Zumindest denkbar ist, dass diese durch einen Armbrustpfeil – der an der Spitze einem Metallbleistift ähnelt – hervorgerufen wurden.
Klarheit erhoffte man sich von der Obduktion, die für Donnerstag, 12 Uhr, im Institut für Rechtsmedizin der Universität Nürnberg/Erlangen angesetzt war. Der 66-Jährige war für die frostigen Temperaturen nicht entsprechend gekleidet. Unter einer leichten Jacke trug er ein Poloshirt, außerdem Jeans.
Der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß zeigte sich schockiert über die Tat. „Es ist schlimm, dass so etwas in Weiden passiert. Aber wir sind hier leider auch nur ein Spiegelbild der Gesellschaft.“ Innerhalb von nur einer Woche sind in der Oberpfalz fünf Menschen durch Gewaltdelikte ums Leben gekommen. Am Mittwoch, 18. Januar, starben in Altenstadt/WN und Schwandorf jeweils zwei Menschen durch erweiterten Suizid.
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Weiden. (ca/mte/wd/vok) Er friert, raucht hektisch. Vor nicht einmal zwei Stunden ist der junge Mann, als er gegen 19 Uhr mit seinem Hund spazieren ging, mitten in ein Kapitalverbrechen geraten. Auf einem Feld bei der Konradshöhe, gleich neben dem Radweg, ringt ein Mann um sein Leben. Gleichzeitig sieht der Zeuge ein Pärchen in einem Auto unbekannten Typ fluchtartig davonfahren.
Der Hundehalter versucht, dem Sterbenden zu helfen, ihn in die stabile Seitenlage zu bringen. Schnell hat er Blut an seinen Händen. Der Rücken des Opfers weist Stichverletzungen auf. Der Spaziergänger hat kein Handy dabei, rennt mit seinem Hund nach Hause und informiert gegen 19.30 Uhr die Polizei.
Als das Rote Kreuz und Notarzt Dr. Rüdiger Hettler vor Ort kommen, hat das Opfer - nach ersten Ermittlungen ein 66-jähriger Weidener - schon lichtstarre Pupillen. Leichte Atemgeräusche sind vernehmbar, das kann aber auch vom Bewegen des Körpers kommen.
Ringfahndung ausgelöst
Und ganz schnell ist klar: Es handelt sich um ein Kapitaldelikt. Schon wieder. Es ist noch keine Woche her, als in Altenstadt/WN und Schwandorf die Polizei zu Tötungsdelikten ausrücken musste. Jetzt erneut ein Tatort. Der Kriminaldauerdienst ist schnell vor Ort. Die Kripo übernimmt die Ermittlungen. Das K 1 trifft ein, zuständig für Tötungsdelikte. Der derzeitige Leiter, Erster Kriminalhauptkommissar Werner Winter, berät sich mit seinen Männern auf der froststarren Wiese. Ohne die Feuerwehr wäre es stockdunkel. Vier Feuerwehreinsatzkräfte leuchten den Tatort aus.
Zeitgleich wird eine Ringfahndung nach dem Auto unbekannten Typs ausgelöst, den der Hundehalter gesehen hat. Zumindest bis Mitternacht ohne Erfolg. Die Polizei weist daraufhin, dass nicht klar sei, ob das Pärchen in die Tat verwickelt ist. Der Tatort liegt fernab der Straße an einem Rad- und Fußweg. Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr bahnen sich ihren Weg durch die Fußgängerunterführung nahe des Polizeigebäudes.
Gegen 21.30 Uhr trifft die Spurensicherung ein. Von besonderem Interesse ist eine Armbrust, die keine vier Meter neben der Leiche im Gras liegt. Ob sie mit der Tat zu tun hat, sei völlig unklar, betonen Kriminalhauptkommissar Thomas Gallei, der Ansprechpartner vor Ort, und sein Kollege Michael Rebele, Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg.
Während die Männer der Spurensicherung in ihren weißen Anzügen die Arbeit aufnehmen, wird auf den Staatsanwalt gewartet. Er muss aus Eslarn anfahren. Zeit genug, um auch unter den langjährigen Kripobeamten so etwas wie Fassungslosigkeit oder Erstaunen aufkommen zu lassen. So viele Jahre waren die Stadt Weiden und die benachbarten Landkreise frei von spektakulären Tötungsdelikten. Und jetzt das. Reuth bei Erbendorf. Vohenstrauß. Altenstadt/WN. Weiden.
Erst am späten Abend glaubt die Kripo, die Identität des Toten geklärt zu haben. Nach diesem Ermittlungsstand (Mitternacht) handelt es sich um einen Bürger der Stadt Weiden, Jahrgang 1945.
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