Rettungsversuche an Todgeweihten
US-Armee will in Grafenwöhr an Tieren die Versorgung schwerer Wunden üben
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| Das Fernsehen macht es vor: In der Serie „Grey’s Anatomy“ werden schwer verletzte Schweine von Medizinern als Übungsobjekte genutzt. Bild: hfz |
Die US-Armee will in Deutschland ihr Sanitätspersonal möglichst wirklichkeitsnah mit den Verletzungen konfrontieren, die bei Kampfhandlungen auftreten. Dazu liegen offenbar bereits detailliert ausgearbeitete Pläne vor. "Die Ausbildung wird von einem Team von Ausbildern durchgeführt, welches das US-Army Medical Command bereitstellt", heißt es in Heidelberg. "Das Team besteht aus gut ausgebildeten, erfahrenen, kampferprobten Soldaten und zivilen Ausbildern. In manchen Fällen können auch die Dienste von Fremdmitarbeitern herangezogen werden, welche einen vergleichbaren Erfahrungsschatz wie die Ausbilder des US-Army Medical Command haben."
Die Tiere sollen offenbar nicht durch Schüsse, Sprengkörper oder Feuer verletzt werden. Sie würden "von gut ausgebildetem, erfahrenem tierärztlichen Personal versorgt und überwacht, um sicherzustellen, dass eine adäquate Betäubung und Schmerzfreiheit sie davor schützen, Schmerz oder Qualen zu erleiden. Alle Wunden werden ihnen von geübten, erfahrenen Ausbildern beigebracht, die Operationsbesteck verwenden. Die Tiere sind während aller Maßnahmen in tiefer Narkose".
Mehrere Tiere pro Kurs
Der Umfang der Schulungen zeichnet sich bereits ab. Pro Kurs sollen laut Armeepressestelle mehrere Tiere zur Verfügung stehen: "Die Anzahl der benötigten Tiere hängt davon ab, wie viel medizinisches Personal ausgebildet wird. Kurse mit Gefechtsverletzungen, in denen etwa 30 Soldaten geschult werden, würden weniger als 10 Tiere über einen Zeitraum von zwei Tagen erfordern."
Nur der Beginn und die Zeitraum der Ausbildungsmaßnahmen stehen nicht genau fest. Die US-Armee will noch 2010 starten. Der Regierung der Oberpfalz liegt unterdessen die Anzeige vor, dass ein Privatunternehmen - offenbar in Kooperation mit den Amerikanern - Tierversuche am Truppenübungsplatz plant. Die Regensburger Behörde steht noch ganz am Anfang der Prüfungen. "Wir sehen dringenden Gesprächbedarf", sagt Regierungssprecher Joseph Karl. Mit dem Unternehmen sei daher eine Unterredung vereinbart worden. Karl: "Wir müssen erst prüfen: Braucht man ein Genehmigungsverfahren? Wenn ja welches? Und: Kann das genehmigt werden?"
"Etabliertes Verfahren"
Die Regierung könnte auf Erfahrungen aus dem zivilen Sektor zurückgreifen. Operationen an lebenden Schweinen, etwa für die Forschung oder zur Chirurgenausbildung, werden laut der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie "unter strenger Überwachung" bisweilen durchgeführt. "Ein Schwein ist dem Menschen sehr ähnlich", sagt Generalsekretär Prof. Dr. Hartwig Bauer. Daher seien Operationen an lebenden Schweinen für die Ausbildung von Einsatz-Chirurgen sinnvoll, ebenso für neue Verfahren, die nicht an Modellen simuliert werden könnten. Zwar sei der Einsatz narkotisierter Tiere sehr aufwändig und daher in der Ausbildungspraxis nicht alltäglich. Aber: "Seit es die Chirurgie gibt und man Narkosetechnik hat, ist es ein etabliertes Verfahren."
In der Fernsehserie schaffen es die Nachwuchs-Ärzte, ihre Schweine zu retten - bevor sie sie unter Protest töten müssen. Dieses Schicksal steht laut US-Armee auch den Tieren auf dem Übungsplatz bevor: "Die Tiere ... werden eingeschläfert ohne das Bewusstsein wiederzuerlangen."
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www.oberpfalznetz.de/tierversuche
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