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Von Thomas Schaller  |  16.11.2006  | Netzcode: 50944665  |  497 Mal gelesen.
Santa Cruz de La Palma

Insel mit Verbindung ins Weltall

La Palma im Nordwesten der Kanaren ein Paradies für Sterngucker - Bekannt für Bananen und Zigarren

Santa Cruz de La Palma. Die Szenerie wirkt wie in einem Science-Fiction-Film: Riesige, weiße Kuppeln verteilen sich über den Mars-ähnlichen Boden. Wenige 100 Meter entfernt taucht das rote Gestein in die Wolken ein. Ein heller Jeep beweist jedoch, dass dieser öde Bergrücken ganz und gar irdisch ist - wenngleich mit direkter Verbindung ins All. Das Observatorium auf dem Roque de Los Muchachos gehört zu den bestausgestatteten der Welt.

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An der Avenida Marítima in Santa Cruz de La Palma stehen einige der typischen alten Häuser im kanarischen und kolonialen Stil mit den kunstvoll verzierten Holzbalkonen. (Bilder: Schaller)
Nicht weit davon lässt sich der höchste Punkt der Kanaren-Insel La Palma bequem erklimmen. Von 2425 Metern schweift der Blick über die steil abfallenden Wände der Caldera de Taburiente, eines Senkkraters von acht Kilometern Durchmesser. Der gleichnamige Nationalpark ist ein wahres Wander-Paradies. Insgesamt ein Drittel der 706 Quadratkilometer der wasserreichen, zerklüfteten "Isla Bonita" steht unter Schutz. 19 ausgewiesene Gebiete sorgen dafür, dass das grüne La Palma auch weiterhin die "Schöne Insel" bleibt.

Eines von ihnen genießt sogar die Weihen der Unesco: das urwaldartige Biosphären-Reservat Los Tilos im Nordosten mit seinem einzigartigen Lorbeerbaum-Bestand. Aus dem Dunstmeer spitzt der Gipfel des Teide von Teneriffa herüber, und auch die anderen Nachbarinseln Hierro und La Gomera sind vom "Burschenberg" aus zu erblicken. Der bis zu 2000 Meter tiefe Taburiente-Kessel ist ebenso vulkanischen Ursprungs wie die rund 80 anderen Berge der nordwestlichsten der Kanarischen Inseln.

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Bananen (pl¡tanos) sind eines der wichtigsten Güter der Insel. Baudelario Rodriguez Acosta führt gerne durch seine Plantage.
Die Ausbrüche sind hier jedoch selten so explosiv wie der des San Antonio im Süden der Insel vor gut 3200 Jahren. Noch heute zeugt ein 350 Meter breiter Krater von der Gewalt aus dem Erdinneren, die sich hier ein Ventil gesucht hat. Nur einen Kilometer entfernt war der letzte Vulkanausbruch auf La Palma: 1971 quoll aus dem Tenegu­a die Lava, floss ins Meer und vergrößerte dadurch die Insel. Schon immer haben die Einheimischen - heute sind es 80.000 - die besonderen Boden- und Klimaverhältnisse La Palmas genutzt.

Die vulkanische Erde lässt den auf dem Gestein entlangkriechenden Wein exzellent gedeihen. Ihren ganz eigenen Geschmack erhalten die Tea-Weine von den Fässern aus dem harzigen Holz der Kanarischen Pinie. Eine weitere Frucht übertrifft in ihrer Bedeutung bei weitem die Wein-Erzeugung und ebenso den schon lange zurückgegangenen Zuckeranbau: die Banane.

In Anlehnung an Südamerika, wohin mehrere Auswanderungswellen führten und von woher viele Palmeros wieder zurückkamen, nennen die Einheimischen die kleinen, gebogenen Früchte "pl¡tanos". Baudelario Rodriguez Acosta hat seine 2400 Quadratmeter große Plantage im Gemeindegebiet von Tazacorte an der Westküste der Insel. Stolz zeigt er, dass das ursprüngliche Bewässerungssystem noch immer funktioniert, auch wenn es schon lange durch moderne Beregnungspfosten abgelöst wurde.

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Tabakbauer Antonio Gonz¡lez Garc­a ist stolz auf seine selbst erzeugten Zigarren, die hier puros genannt werden.
Der einfache Kanal, der durch das Versetzen eines Schiebers immer wieder an einer anderen Stelle zum Überlaufen gebracht wird, ist ebenso primitiv wie effektiv. Besonders intensiv schmecken die "pl¡tanos" (auf der ersten Silbe betont) direkt zwischen den großblättrigen Stauden. Was müssen Urlauber tun, um in diesen Genuss zu kommen? "Fragen Sie einfach auf einer Plantage nach oder melden Sie sich im örtlichen Tourismusbüro", erklärt Baudelario.

Ein weiteres Produkt der Insel präsentiert in der Finca tabaquer­a el Sitio Tabakbauer Antonio Gonz¡lez Garc­a: Der 72-Jährige betreibt eine Zigarren-Manufaktur, in der er seinen Gästen vorführt, wie die so genannten "puros" gedreht werden. Mit einer dicken Zigarre im Mundwinkel erzählt Antonio von seinem Vater, der als Auswanderer in Kuba das Handwerk gelernt und das Knowhow nach seiner Rückkehr an den Sohn weitergegeben hat.

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Der 350 Meter breite Krater des Vulkans San Antonio im Süden der Insel, Teil des Gebirgsrückens Cumbre Vieja, lässt erahnen, welche Gewalt aus dem Inneren der Erde sich hier ein Ventil gesucht hat.
Wer sich abseits der tiefschwarzen Strände für die Geschichte La Palmas interessiert, das die Spanier 1492 den eingeborenen Guanchen entrissen, der findet zahlreiche Zeugen in der einwohnermäßig größten Gemeinde der Insel, Los Llanos de Aridane, die ihre wirtschaftliche Bedeutung heute mit großzügigen Avenidas und Plätzen zur Schau trägt.

Vor allem aber sind die historischen Spuren in der Inselhauptstadt Santa Cruz de La Palma zu finden. "Der Hafen war Anfang des 16. Jahrhunderts nach Sevilla und Antwerpen der drittwichtigste von Europa", weiß Reiseleiter Manfred Betzwieser, gebürtiger Würzburger, der seit zehn Jahren auf La Palma lebt. Die Seefahrertradition der Hauptstadt ist spürbar beim Bummel durch die engen Gassen oder auf der Avenida Mar­tima.

An der Uferstraße leuchten von einigen der alten Häuser im kanarischen und kolonialen Stil kunstvoll verzierte Holzbalkone in allen Farben. Eines der begehrtesten Fotomotive ist ohne Zweifel die Plaza de Espa±a mit der Erlöserkirche, dem hübschen Universitätsgebäude und dem repräsentativen Rathaus im Renaissance-Stil.
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Das Observatorium auf dem Roque de Los Muchachos

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Das Grantecan, mit einem Spiegeldurchmesser von 10,40 Metern das größte Teleskop der Welt, soll im Jahr 2007 in Betrieb gehen.
Wer die Sterne erforschen will, braucht wolkenlosen Himmel. Und weil es den auf La Palma in 80 Prozent der Nächte des ganzen Jahres gibt, haben die Astronomen 1985 auf dem höchsten Berg der "Isla Bonita", dem Roque de Los Muchachos, eines der wichtigsten Observatorien eingerichtet. Reiseleiter Robert Burton erläutert, dass die derzeit 14 Teleskope von Wissenschaftlern und Technikern verschiedener Nationen betreut werden.

Das momentan stärkste der Geräte ist das William-Herschel-Teleskop, das mit einem Spiegeldurchmesser von 4,20 Metern und einem Gewicht von etwa 200 Tonnen sogar einen Eintrag im Guinness-Buch der Rekorde als größter Reflektor Europas hat. 2007 jedoch dürfte es diesen Superlativ verlieren. Dann nämlich soll gleich nebenan das Gran Telescopio Canarias (Grantecan) in Betrieb gehen.

Nach den Worten des Hobby-Astronomen Burton liefert dessen 10,40-Meter-Spiegel eine noch bessere Auflösung als das berühmte Weltraum-Teleskop Hubble. Wer das dann größte Teleskop der Welt aus der Nähe erleben will, kann dies als Teilnehmer einer Gruppe tun. Einzelbesucher kommen an mehreren "Tagen der offenen Tür" im Sommer zum Zug. (sr)

Weitere Informationen im Internet:


www.iac.es und www.ing.iac.es
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Besondere Tipps



Wandern:
La Palma ist vor allem bei Wanderern unheimlich beliebt. Die vielfältige Natur -schroffe Felsen, weiche, bewaldete Hänge, von wilden Bächen ausgeschwemmte Schluchten, zusammenhängende Wälder, Küstenstreifen mit Bananen-Plantagen - wird durch mehr als 1000 Kilometer Wanderwege erschlossen, die zumeist gut ausgeschildert sind. Das Netz umfasst sowohl Weitwanderwege (G. R.), zum Beispiel die Vulkanroute, als auch kleinere Strecken (P. R.) und örtliche Wege (S. L.).
La Palma KArte
Quelle: Turismo Rural
Vorsicht: Das Wetter kann sich auf La Palma sehr schnell ändern. Das liegt unter anderem am Nord-Ost-Passat, dessen Wolken sich an der Ostflanke des großen Gebirgsriegels fest hängen. Das führt dazu, dass es im Osten regnen kann, während im Westen die Sonne strahlt.

Weinroute:
Fast überall auf La Palma wird Wein angebaut. Wer mit dem Auto der "Ruta del Vino" (Wein-Route) folgt, kann viele Informationen sammeln. 16 Bodegas liegen auf der Strecke - trinken dürfen jedoch nur die Beifahrer. Idealer Ausgangspunkt ist das Weinmuseum in Las Manchas, südlich von Los Llanos de Aridane.

Traditionelle Feste:
In der langen, bewegten Geschichte La Palmas sind viele traditionelle Feste entstanden, in denen auch heute noch das Volkstum auflebt. Zu den ganz besonderen Ereignissen zählt die Bajada: Alle fünf Jahre (das nächste Mal 2010) feiert die Inselhauptstadt von Juni bis August das Fest der Herabkunft der Heiligen Jungfrau vom Schnee. Es geht auf eine Dürreperiode im Jahr 1676 zurück, während derer die Palmeros das Marienbildnis vom Wallfahrtsort Las Nievas in die Stadt hinuntertrugen, um die Fürsprache der Muttergottes zu erflehen. In den verschiedenen Festwochen gibt es zum Beispiel Trachten- und Laternenumzüge sowie den so genannten Zwergentanz. Ein anderes wichtiges Ereignis ist jedes Jahr am Rosenmontag die Puderschlacht, mit der die Indianos, die Heimkehrer aus Amerika mit ihren Papageienkäfigen, großen Koffern und dicken Havannas, empfangen werden. Durch ganz Santa Cruz klingt karibische Musik, Wolken von Puder ziehen durch die Straßen. Auch die christlichen Feste wie Weihnachten, der Dreikönigstag, Ostern und Fronleichnam werden von den Palmeros gefeiert.

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Informationen



Patronato de Turismo
Avenida Mar­tima, 34
38700 Santa Cruz de La Palma
ISLAS CANARIAS
SPANIEN
Telefon 0034/922/41 21 06
E-Mail und Internet:
informacion@lapalmaturismo.com
www.lapalmaturismo.com
Empfehlenswerte Broschüren:
La-Palma-Führer, Wanderführer, Kunstgeschichtlicher Führer durch Santa Cruz de La Palma, Palmerische Küche, Kunsthandwerk, Volkstümliche Feste, Die traditionelle Kleidung, Die Benahoariten - prähistorische Bevölkerung La Palmas, Legendenführer .


Spanisches Fremdenverkehrsamt
Postfach 151940
80051 München
Telefon 089/53 07 46 11
E-Mail und Internet:
munich@tourspain.es
www.spain.info

La-Palma-Homepage von Reiseleiter Manfred Betzwieser
www.lapalma7.de

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