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Von Frank Stüdemann  |  25.08.2006  | Netzcode: 10914510  |  650 Mal gelesen.

Manns Mannsbilder

Visuelles Muskelspiel von Regisseur Michael Mann: Colin Farrell und Jamie Foxx in "Miami Vice" - Jetzt im Kino

Bringen wir es hinter uns. Es folgen Dinge, die in "Miami Vice" (Kino-Version 2006) nicht vorkommen: Musik von Jan Hammer, Alligator Elvis, Informant Izzy, Männerfüße ohne Socken in Lederslippern, die Sätze "Vice, mein Freund" oder "Hey, Crockett, que pasa?" sowie jegliche Form von Humor. Was, fragt sich jetzt der Serien-Nostalgiker, ist dann dieser Film?

Miami Vice
Die Nacht, die Stadt, die Cops: Crockett (Colin Farrell, links) und Tubbs (Jamie Foxx). Bilder: UIP
Eine billige Abzocke im Fahrwasser des anhaltenden Trends, aus alten TV-Konzepten mäßige Kinofilme zu machen?

Ganz so einfach ist es nicht, wenn der Regisseur Michael Mann heißt. Der 63-jährige Mann, der in den letzten Jahren mit cineastischen Meilensteinen wie "Heat" und "Collateral" seinen Ruf als einzigartiger Visualist zementiert hat, war in den 80er Jahren ausführender Produzent von "Miami Vice" und ausschlaggebend für den Stil der Reihe. Warum also ist er zu "Miami Vice" zurückgekehrt?

"Bin ich gar nicht", sagte Mann kürzlich dem britischen Filmmagazin "Empire", "ich habe nur das genommen, was mich schon 1984 an ,Miami Vice' interessiert hat, und es auf eine Story angewandt, die im Jahr 2006 spielt." Er habe schon immer was über diese beiden Typen machen wollen, so Mann weiter, "über die melodramatischen Situationen, in denen sie sich befinden, und über das Abenteuer der Undercover-Arbeit."

Miami Vice
Regisseur Michael Mann.
Die beiden "Typen", das sind auch im Miami des Jahres 2006 die beiden Polizisten James "Sonny" Crockett (Colin Farrell, "Alexander") und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx, "Ray"), die verdeckt für das Miami Vice Squad ermitteln: Weil das F.B.I. den Drogenbaron Jesºs Montoya (Luis Tosar) nicht zu fassen bekommt, werden die beiden Cops von ihrem Chef Castillo (Barry Shabaka Henley) als Joker ins Spiel gebracht. Vorbei am zwielichtigen Mittelsmann Jos© Yero (John Ortiz) sollen sie sich als Drogenkuriere einschleusen, die große Mengen des Stoffs aus Lateinamerika nach Miami schmuggeln können.

Montoya heuert sie an, aber Yero bleibt misstrauisch - umso mehr, weil Crockett ganz offensichtlich ein Verhältnis mit der Gespielin des Chefs, der kühlen Isabella (Gong Li), anfängt. Als dann auch noch Tubbs' Freundin Trudy (Naomie Harris) entführt wird, wissen die beiden Polizisten, dass nicht nur ihre Tarnung in Gefahr ist...

Miami Vice
Lieutenant Castillo (Barry Shabaka Henley) gibt Tubbs und Crockett Anweisungen per Handy.
In "Miami Vice", damals wie heute, geht es um zwei Undercover-Ermittler, die auf sich allein gestellt sind. Ihr Leben hängt allein von ihrer Professionalität ab, mit der sie ihren Job machen.

Sie haben keine Rückendeckung, keine Verstärkung, die im Hintergrund wartet. Ihre Tarnung muss wirken, darf nicht auffliegen. Dieses dunkle Herz der TV-Serie, das die Einsamkeit der Helden und ihre für den Job gefährliche Sehnsucht nach dem ganz normalen (Liebes)-Leben enthält, hat Michael Mann heraus operiert und in seine Filmwelt verpflanzt.

Und diese künstlerische Welt besteht nicht zuletzt aus grandiosen Nachtaufnahmen: Wie kein anderer Hollywood-Filmemacher inszeniert Mann die nächtliche Stadt als gefährliche Gegenwelt, als urbanen Dschungel.

Miami Vice
Brenzlige Situationen gehören zum Alltag der beiden Undercover-Ermittler.
Dem Regisseur kommt dabei die digitale Filmtechnik gelegen: "Miami Vice" wurde zu 100 Prozent mit High-Definition-Videokameras gedreht, und das macht einige unglaublich beeindruckende Nachtszenen überhaupt erst möglich.

Wenn man beispielsweise Crockett und Tubbs im Vordergrund sieht, im Hintergrund die Millionen Lichter der Stadt und dazu den diffus erleuchteten Himmel über Miami sowie das bedrohliche Aufflackern eines Gewitters, dann ist das eine Szenerie, die auf normales Filmmaterial schon wegen der Lichtverhältnisse nicht zu bannen wäre. Lediglich der etwas zu häufige Einsatz von handgeführten Kameras und ihren wackligen Aufnahmen trübt den Genuss - fördert aber auch den offenbar gewollten Dokumentarfilm-Charakter des Streifens.

Wer sich also an solch visueller Pracht, zwei wuchtigen Schießereien sowie allerlei optischem Fetisch ergötzen kann, der wird mit "Miami Vice" trotz der fehlenden Anlehnung an die kultige Fernsehserie seine Freude haben.

Miami Vice
Bereit zum großen shoot-out.
Aber: Waren die Hauptfiguren in "Heat" oder "Collateral" noch mehrdimensionale Charaktere mit Hintergrund, so kommen Crockett und Tubbs schablonenhaft daher. Immerhin spielen Foxx und Farrell mit einem wortkargen Mix aus Macho-Attitüden und Melancholie und sparen sich Kumpel-Sprüche nach "Bad Boys"-Manier. Das von Mann selbst verfasste Drehbuch ist dabei arm an Überraschungen und reich an wenig fesselnden Nebenfiguren. Ausgedehnte Action-Sequenzen fehlen, dafür bekommt die Liebesaffaire zwischen Crockett und Isabella viel Zeit zum Atmen.

Bleibt also zu hoffen, dass Mann vielleicht einen Director's Cut des Films nachreicht, der "Miami Vice" als ganz große, dramatische Undercover-Oper zeigt. Bis dahin sollten Fans der Serie nicht allzu viel vom Kinofilm erwarten. Fans von Michael Mann hingegen kommen bei dieser kraftvoll bebilderten Moschus-Macho-Mischung voll auf ihre Kosten.

Poster zu Film Miami Vice
Buch und Regie: Michael Mann.

Mit Jamie Foxx, Colin Farrell, Gong Li, Naomie Harris, Ciaran Hinds, Barry Shabaka Henley, John Ortiz.
Musik: John Murphy.
Kamera: Dion Beebe.

132 Minuten, frei ab 16 Jahren.
Im Internet: movies.uip.de


Miami Vice

















TV-Kult


Miami Vice
'Miami Vice' in den 80er Jahren: Don Johnson (links) als Crockett und Philip Michael Thomas als Tubbs.
"Miami Vice", entwickelt von Anthony Yerkovich, lief von 1984 bis 1989 über fünf Staffeln und 112 Episoden im Fernsehen - in Deutschland konnten die Zuschauer sie erst ab 1986 in der ARD sehen.

In den Hauptrollen waren Don Johnson als Crockett und Philip Michael Thomas als Tubbs zu sehen, zudem Edward James Olmos als wortkarger Lieutenant Martin Castillo. Neben dem Outfit der Hauptfiguren machte vor allem die Einbindung von Pop- und Rockmusik in die Szenerie die Serie wegweisend.

Unvergessen ist zum Beispiel, wie Crockett und Tubbs zu "In The Air Tonight" von Phil Collins durchs nächtliche Miami brausen. Die Titelmelodie des tschechischen Musikers Jan Hammer wurde weltweit zum Hit. (üd)

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