Amberg
Harte Hunde mit herzhaftem Handwerk
Rock-Routiniers Toto geben kostenloses Konzert in Amberg: Ein Fest für Kenner, Ernüchterung fürs Party-Volk
Amberg. Gerade bei Konzerten im Pop- und Rock-Genre ist ein Resümee immer eine Sache der Perspektive. Und so muss man auch den Auftritt von Toto auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände wohl durch zwei Brillen sehen.
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| Mit angeschlagener Stimme, aber immer noch in guter Form: Toto-Sänger Bobby Kimball (59) gestern in Amberg. (Bilder: Alexander Unger) |
Deshalb wirkte der Auftritt von Bayern-3-Moderator Roman Roell kurz vor Beginn des Konzerts auch eher peinlich. Denn der kündigte eine Band an, von der man "auch immer ganz viel" spiele. Was Quatsch ist, wo doch kaum ein Radiosender außer den drei Hits noch andere Toto-Songs spielt. Und das, obwohl die Band zwölf Studioalben in 30 Jahren eingespielt hat. Material gäbe es genug.
Also ist es letztlich auch solchen Radiomachern zu verdanken, dass sich der Großteil der Konzertgäste mangels "Vorbildung" vielleicht gelangweilt haben mag. Eben jene Menschen, die nur die Hits kennen.
Um Toto aber wirklich genießen zu können, musste man dann doch Kenner, Fan oder Musiker sein. Denn die Männer aus Los Angeles sind zunächst mal das: routinierte Profis im besten Sinne, aber keine Party-Kapelle mit Jukebox-Funktion. Schon die Eröffnung des Abends, der Titelsong aus dem aktuellen Album "Falling In Between", zeigte die harte Seite der Band mit krachenden Riffs und wummernden Bässen. Mit "King Of The World" und "Bottom Of Your Soul" gab es weitere aktuelle Stücke.
Es folgten auch lange nicht mehr live gehörte Leckereien: "Isolation" aus dem gleichnamigen Album von 1984, "Pamela" und "Stop Loving You" (als Akustikversion und mit Zweitgitarrist Tony Spinner als Sänger) aus "The Seventh One" oder "Make Believe" aus dem Hit-Album "IV" - das in der Mitte plötzlich in den Kracher "Hold The Line" mündete.
Viele andere Songs verpackte die Band gekonnt in kleine Medleys, so dass zumindest die Fans auf ihre Kosten kamen. Greg Phillinganes (Keyboard), Gitarrist Steve Lukather und Schlagzeuger Simon Phillips absolvierten obendrein fulminante Soli - unterstützt von Bassist Mike Porcaro. Manchmal erweckte die Band dabei einen allzu routinierten Eindruck und ließ sichtbare Freude am Spiel vermissen. Wenn man aber bedenkt, dass Toto bereits seit Februar ununterbrochen durch Europa, die USA, Japan und Australien touren, scheint das zweitrangig.
Wir attestieren: harte Hunde, diese Toto-Musiker. Lediglich Sänger Bobby Kimball hat für den übervollen Tourkalender hörbar einen Preis bezahlt: Der 59-Jährige beeindruckte zwar insgesamt, aber bei den hohen Tönen brach ihm öfter die Stimme weg. Ein verzeihbarer Schwachpunkt eines ansonsten nahezu perfekten Konzerts.
Die Website der Band:
www.toto99.com
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| Bobby Kimball, Steve Lukather und Mike Porcaro (von links): seit Februar fast ununterbrochen auf Tour. |
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