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Die dunkle Seite

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Von Frank Stüdemann  |  28.07.2006  | Netzcode: 10905423  |  810 Mal gelesen.

Pures Enter-Tainment

"Pirates Of The Caribbean - Fluch der Karibik 2": Abenteuer-Spektakel mit Charme und Tempo

Wer hätte das gedacht: Als vor mehr als drei Jahren Erfolgsproduzent Jerry Bruckheimer vom Disney-Konzern den Auftrag bekam, nach Vorbild der Disneyland-Attraktion "Pirates Of The Caribbean" einen Film zu zimmern, rechneten wohl auch die Herren der Mickey Maus nicht mit einem Erfolg: Bruckheimer heuerte den eher unbekannten Regisseur Gore Verbinski ("The Ring") an, um aus der echten Achterbahnfahrt eine filmische zu machen.

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Der Star des Films: Johnny Depp gibt wieder den schrägen Captain Jack Sparrow und beherrscht die 150 Minuten Laufzeit. (Bilder: Buena Vista)
Und als dann auch noch Johnny Depp die Hauptfigur des Captain Jack Sparrow wie einen berauschten Klon von Keith Richards spielte (Die Disney-Chefs fragten entsetzt: "Ist er schwul? Oder besoffen? Beides?"), da glaubte wohl niemand mehr an den Erfolg. Pustekuchen: "Fluch der Karibik" ("Pirates Of The Carribean - The Curse Of The Black Pearl") war mit rund sechs Millionen Zuschauern auf Platz vier der erfolgreichsten Filme 2003 in Deutschland.

Danach war es keine Frage, dass Verbinski nicht nur eine, sondern gleich zwei Fortsetzungen auf einmal drehen musste: Er holte Depp ebenso wieder an Bord wie Orlando Bloom als edlen Will Turner und Keira Knightley als kesse Elizabeth Swann - und fertigte die Teile 2 und 3 gleichzeitig, wobei letzterer erst 2007 in die Kinos kommt.

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Ein Traum: Keira Knightley als Elizabeth Swann.
Fortsetzungen, gerade von Überraschungserfolgen, sind eine riskante Sache: Im Falle von "Matrix" etwa versanken die Teile 2 und 3 fast im philosophisch-verquirlten Story-Unterbau und "Die Rückkehr der Mumie" ersoff in Spezialeffekt-Ergüssen. Verbinski und seine Autoren haben diese Gefahren geschickt umschifft (das war dann jetzt auch die letzte Seefahrts-Anspielung) und mit dem zweiten Piratenstreich eine weitere, pure Freizeitpark-Attraktion in Film-Form geschaffen, ganz dem Vorbild entsprechend.

Ein reiner Sommer-Blockbuster, der prächtig unterhält, niemals langweilt und dabei Fans des ersten Teils zufrieden stellen wird. Es gibt prächtige Kulissen und Kostüme, großartige Stunts, tolle Spezialeffekte und jede Menge Pomp - garniert mit viel Slapstick-Humor (Stichwort: Obst-Fleisch-Spieß in XXL) und viel von dem naiven Charme, der schon den ersten Teil auszeichnete.

Sicher, Johnny Depps Präsenz als Captain Jack hat zugenommen und degradiert das Liebespärchen Will und Elizabeth fast zu Nebenfiguren, die leider für einen Großteil der etwas überlangen Laufzeit nicht mal gemeinsam zu sehen sind. Auch der Plot ist so schwach und wirr, dass der Zuschauer irgendwann aufgibt darüber zu sinnieren, warum jetzt gerade noch mal wer hinter was herjagt oder wen bekämpft.

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Orlando Bloom als Will Turner.
Ärgern wird viele Zuschauer vielleicht, dass die Geschichte diesmal nicht eigenständig ist, sondern mit einem Cliffhanger endet, der wünschen lässt, Teil drei möge doch bitte gleich im Anschluss in die Kinos kommen. Was bei anderen Streifen zu kritisieren wäre, ist beim zweiten "Fluch" jedoch ein nötiges Vermeiden von Story-Ballast: Die Haptfiguren, allen voran der undurchschaubare Captain Sparrow, bleiben comic^haft flach und ohne Nuancen.

Selbst die Begegnung von Will Turner mit seinem totgeglaubten Vater Bill (gespielt vom hervorragenden Stellan Skarsg¥rd) gerät dadurch beispielsweise sehr emotionslos und unspektakulär, damit das Tempo des Films nicht unnötig gebremst wird.

Passenderweise ist es neben Depps Sparrow ausgerechnet eine im Computer erschaffene Figur, die einem nach dem Abspann im Gedächtnis bleibt: Der verfluchte Captain Davy Jones, mit einem Gesicht voller Tintenfisch-Tentakeln, wurde nach dem Vorbild des britischen Charaktermimen Bill Nighy ("Der ewige Gärtner") geschaffen und ist mehr als gut gelungen. Wenn der schwabbelgesichtige Renegat, der sich sein von einer Frau gebrochenes Herz einst selbst aus dem Leib schnitt und es in einer Truhe vergrub, nachts einsam auf seiner Orgel spielt, dann leidet man - für eine Sekunde - fast schon mit.

"Pirates of the Caribbean: Dead Man's Chest": 150 Minuten, ab 12. Regie: Gore Verbinski. Mit Johnny Depp, Keira Knightley, Orlando Bloom, Bill Nighy, Geoffrey Rush, Stellan Skarsg¥rd. Musik: Hans Zimmer. Kamera: Dariusz Wolski. Buch: Ted Elliot & Terry Rossio. Internet: www.fluch-der-karibik-2.de

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Gelungene Kunstfigur aus dem Computer: Bill Nighy stand und spielte das Modell für den einsamen Captain Davy Jones.

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