Himmel aus Bronze und Gold
Landesmuseum für Vorgeschichte in Halle beherbergt sensationelle Funde
Ein neuer Himmel strahlt über Sachsen-Anhalt: Geschmiedet aus Bronze und Gold, wirft er neues Licht über das Land, das politisch scheinbar ohne Geschichte ist und mit 20 Prozent Arbeitslosigkeit als Armenhaus dieser Republik gilt. Gerade mal so groß wie ein Teller, weist die Himmelscheibe von Nebra diesen Teil Mitteldeutschlands als Hort reichen kulturellen Erbes in Europa aus.
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| Halle beherrbergt das älteste archäologische Museum in Deutschland. Der Wilhelminische Monumentalbau wurde 1913 nach dreijähriger Bauzeit eingeweiht. (Alle Bilder: Ingrid Popp) |
Gegründet wurde das Museum 1883. Im Jahr 1913 bekam es eine neue Heimat in einem imposanten preußischen Bau, in dessen Atrium eben "Der geschmiedete Himmel" - die Landesausstellung geht bis 24. April 2005 - vom Mittelberg bei Nebra auf einer schwarzen Barke thront. Das Stück erfüllt alle Bedingungen einer archäolgischen Sensation.
Auf drei Stockwerken gruppieren sich um die Stars der Ausstellung rund 1000 Preziosen bronzezeitlicher Kunst aus ganz Europa. Denn soviel ist jetzt schon sicher: Die Himmelsscheibe von Nebra steht steht für eine Hochkultur, deren Wurzeln und Einfluss von Nordeuropa bis nach Kleinasien reichte, also die ganze damals bekannte Welt umfasste. Die Sonne, mal ruhend auf einem Schiff, mal gezogen von einem Pferd, strahlte über einem Kulturkreis, der seinen Reichtum intensivem Austausch wertvoller Metalle und Schmucksteine ebenso verdankt wie dem schwarzen Boden der mitteldeutschen Landschaft. Fruchtbar erweisen sich die Ebenen rund um Halle und weit darüber hinaus vor allem auch für die Archäologen.
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| Die berühmte Himmelsscheibe von Nebra. |
Ritzungen auf Werkzeugen beweisen das. Vor 200 000 lebten die Menschen, die Reste von Gerbmasse auch Eichenbasis auf einem Feuerstein- Schaber hinterließen. Und wenigstens 80 000 Jahre ist es her, dass ein Bewohner Mitteldeutschlands auf einem Klümpchen Schäftungskitt seinen Fingerabdruck hinterließ. Das Museum in Halle beschreibt beinahe lückenlos, wie homo errectus und schließlich Neandertaler die Umwelt eroberten.
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| Das lebensgroße Abbild eines Neandertalers vor dem Skelett eines Mammuts, das vor 220.000 Jahren in Mitteldeutschland lebte. Seine Knochen fanden die Archäologen bei Braunsbedra im Kreis Merseburg. |
Vor 125 000 Jahren verendete ein riesiger Waldelefant im seichten Uferwasser eines Sees. Eine kleine Gruppe von Jägern hat den Kadaver an Ort und Stelle ausgeweidet, das dabei verwendete Werkzeug zum Teil zurückgelassen. In Halle wird neben den Originalfunden vor allem für die jungen Besucher dieser Vorgang in einer faszinierenden Bildfolge gezeigt. Ungekrönter König des Vorgeschichtsmuseums ist ein lebensgroßer Neandertaler, der so echt aussieht, als werde er jeden Augenblick dem Betrachter die Hand geben.
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| Der Oberpfälzer Dr. Alfred Reichenberger vor der Vitrine mit den Beigaben des Himmelscheiben-Horts: Zwei Spiralen, zwei Schwerter, zwei Beile. Diese Doppelung ist sonst nur für Fürstengräber typisch. |
Der Künstler, der die Himmelscheibe schuf, Sonne, Mond, Sterne und das Abbild des Siebengestirns mit ausgefeilter Technik auf die Bronze brachte, die Mächtigen, die das Stück in Auftrag gaben und nach rund tausend Jahren Benutzung wie einen Fürsten begruben, haben zwar keine Namen, aber sie waren vor 3600 Jahren die eigentlichen Gründer Europas.
Bildergalerie
: Sehen SieInformation
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| Reste von Gerbesud aus Eiche an einem 200.000 Jahre alten Schaber. Er beweist, dass die bronzezeitlichen Menschen Leder herstellen konnten. |
Adresse:
Richard-Wagner-Straße 9,
06114 Halle (Saale)
Telefon 0345/5247-30
Fax 0345/5247-351
Internet: www.archlsa.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (einschließlich Feiertage) von 9 bis 19 Uhr
Montags nur nach Voranmeldung.
Eintrittspreise:
6 Euro, ermäßigt 4 Euro, Kinder (6 -14 Jahre) 2 Euro. Gruppen ab 10 Personen 5 Euro pro Person. Schulklassen 1 Euro pro Person, Familien 10 Euro.
Zur Ausstellung ist im Theiss Verlag ein umfangreicher Katalog erschienen (200 Seiten, 240 Abbildungen, Buchhandelsausgabe: 24.90 Euro, Museumsausgabe: 19.90 Euro)
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