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Von Thomas Schaller  |  19.03.2004  | Netzcode: 50529108  |  129 Mal gelesen.

Metamorphose einer Metropole

Das alternative London: Weit mehr als Big Ben und Tower - Geführte Spaziertouren

London. Wenn Fiona Walsh auf dem Spaziergang durch Southwark aus der Geschichte des ehemaligen Industrieviertels erzählt, ist Charles Dickens nicht fern. Fast scheint es, als hörte man noch den Lärm der Fabriken, als hinge der beißende Geruch der Ledergerbereien noch immer in der Luft.

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Westminster Abbey. (Bild: Schaller)
In den Straßenfluchten südlich der Themse, zwischen alten Lagerhallen und Arbeiterhäusern, schildert Stadtführerin Fiona mit ihrem sympathischen Akzent, wie aus dem früheren Werksviertel mittlerweile ein modernes Quartier mit Galerien, Shops und Büros geworden sind. Wo vor vielen Jahren die einfachen Arbeiter ihr Dasein fristeten, kann man heute sehr passabel wohnen.

London - wie es kaum jemand kennt: Wer sich auf seiner Visite in der Insel-Metropole nicht auf Big Ben, Tower, Westminster Abbey und Buckingham Palace beschränken will, der findet beiderseits der Themse ein schier unerschöpfliches Reservoir an Ideen für ein erlebnis- und abwechslungsreiches Wochenende: Galerien und Ausstellungen, die gewiss nicht jeder Tourist sieht, Shopping-Adressen, die bislang noch ein Geheimtipp sind. Das alternative London entdeckt man am besten zu Fuß. Auf jeden Fall zu empfehlen ist eine deutschsprachige Stadtführung, wie sie Fiona Walsh und ihre Kollegen seit März anbieten.

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Eigenwillige Architektur: das Rathaus Londons. (Bild: Schaller)
Bis 19. Dezember stehen jedes Wochenende von Freitag bis Sonntag acht verschiedene Touren auf dem Programm, deren Titel viel versprechen: "Von den Beatles zum Boudoir", "Soho und Covent Garden" oder "Verbrechen und Strafe - Dissens und Auflösung - Blut und Eingeweide" heißen die kurzweiligen, zweistündigen Spaziergänge, bei denen der Besucher zum Preis von zehn Pfund (etwa 15 Euro, Senioren und Studenten: 12, Kinder: 9 Euro) London aus einer völlig unbekannten Perspektive erlebt.

"Auf den Spuren von Shakespeare und Dickens" geht es südlich der Millenniumbrücke durch Southwark, ein Viertel, dessen kulturelles Angebot zu Zeiten der berühmten Schriftsteller bei weitem nicht so anspruchsvoll war wie heute. Im "George Inn", einem Gasthaus, dessen Ursprünge bis ins späte 16. Jahrhundert zurückreichen, trafen sich früher die Pilger, um gemeinsam nach Canterbury aufzubrechen.

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Immer einen Abstecher wert: Borough Market. (Bild: Schaller)
London-Guide Fiona erzählt im Innenhof vor der schwarz-weißen Holzfassade anschaulich, wie hier zu Shakespeares Lebzeiten die Wanderschauspieler auftraten. 1995 wurde das "George" zum "Pub of the Year" gekürt. Diese Tatsache ist jedoch bei weitem nicht der einzige Meilenstein auf dem Weg Southwarks vom "Vergnügungscenter des Mittelalters" hin zu einem Stadtteil der neuen Ära. In der Tate Modern, einem ehemaligen Kraftwerk, haben Künstler wie Magritte, Picasso, Monet und Beuys eine Aufsehen erregende Heimat gefunden.

Etwas weiter südöstlich davon erinnert die Bermondsey Street lebhaft an die Zeiten, als im South-Bank-Areal noch die "Werkstatt Londons" mit ihren Fabriken angesiedelt war. Und genau hier ragt ein bunter Farbklecks aus dem Grau der Industriebauten, die heute Galerien, Künstlerateliers, Bars und Restaurants beheimaten - das Fashion and Textile Museum.

Eine Sonderausstellung in dem von dem mexikanischen Architekten Ricardo Legorreta entworfenen Bau in Orange und Pink zeigt derzeit "My Favorite Dress" ("Mein Lieblingskleid"): 70 namhafte Designer, von Giorgio Armani bis Vivienne Westwood, stellen ihre Lieblingskreationen vor. Unter den Roben findet sich auch ein Traum in Weinrot von Elie Saab, nämlich das Kleid, das Halle Berry vor zwei Jahren bei der Oscar-Verleihung trug.

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Das klassische Motiv aller London-Reisen: Big Ben. (Bild: Schaller)
Die Docklands gehören zu den Stadtteilen, an denen die Metamorphose Londons wohl am deutlichsten sichtbar wird. Seit den 80er Jahren wurde im stillgelegten Hafen ein groß angelegtes Sanierungsprojekt abgewickelt. Mit Milliarden-Aufwand verwandelten sich alte Lagerhäuser in Wohnblocks gehobener Ausstattung mit Restaurants und Geschäften.

Ein Bummel durch die Gasse Shad Thames führt zum nahe der Tower Bridge gelegenen Design-Museum, das zum Konzern von Terence Conran, sozusagen dem "Vater der Docklands", gehört. Bis 31. Oktober befasst sich eine der Sonderausstellungen mit der Geschichte des modernen Designs im Wohnbereich.

Shopping in London - das reicht vom Gemüsemarkt (siehe Kasten) bis zur Nobelboutique. Nahe der Carnaby Street hat 2003 der Kingly Court eröffnet, ein dreigeschossiges Karree von außergewöhnlichen Geschäften. Ein Beispiel: Die Firma "RE" in der zweiten Etage verkauft von jungen Designern handgemachte Mode und Accessoires aus recycelten Materialien.

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London-Tipps



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Das Riesenrad London Eye. (Bild: Schaller)
Online buchen
Seitdem Low-Cost-Airlines die Preise
für innereuropäische Flüge purzeln ließen, sind
Kurzreisen besonders interessant. Das Tourismusbüro
Visit London kommt Wochenend-Urlaubern mit der
von Bürgermeister Ken Livingstone initiierten Marketing-Kampagne
"City Breaks" entgegen. Herzstück ist die Internet-Homepage
www.visitlondon.com , die jede Menge Informationen
bereithält. Online kann der Surfer alles buchen
- vom Bahnticket über das Restaurant bis hin zum
kompletten London-Trip.

Schlemmen an der Themse
Wenn es um das Essen geht, ist das
"Banausentum" der Briten sprichwörtlich. Doch London-Besucher
können sich leicht davon überzeugen, dass dieses
Vorurteil nicht gerechtfertigt ist. Zahlreiche
Restaurants, die freilich ihren Preis verlangen,
tischen Spezialitäten vieler Länder auf. Shumi,
St James's Street, SW 1, zum Beispiel serviert
italienische Küche mit japanischem Einfluss.

Viele Märkte
Wer eine Stadt kennen lernen will,
geht am besten auf den Markt. In London gibt es
viele davon. Spitalfields Market (Kunst, Bücher,
Kleidung), Brick Lane Market (Second-Hand-Möbel,
Lederwaren, Obst und Gemüse) und Columbia Road
(Blumen, Topfpflanzen) gehören ebenso dazu wie
Borough Market, der älteste Obst- und Gemüsemarkt
Londons. Dieser hat sich zu einem wahren Gourmet-Paradies
entwickelt.

Informationen



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Carnaby Street. (Bild: Schaller)
Touristische Informationen:
Visit London
1 Warwick Row
London SW1E 5ER
England
Telefon 0044/20 7932 2000
Fax 0044/20 7932 0222
E-Mail: enquiries@visitlondon.com
www.visitlondon.com

Deutschsprachige Stadtführungen:
London Tours auf Deutsch
Telefon und Fax: 0044/20 7487 4736
E-Mail: info@londontoursaufdeutsch.com
www.londontoursaufdeutsch.com

ÖPNV-Informationen:
Transport for London
E-Mail: travinfo@tfl.gov.uk
www.tfl.gov.uk
und
Deutschsprachige Tipps und Infos zur Tube

London Marriott Hotel Regents Park
128 King Henry's Road
London NW3 3ST
England
Telefon 0044/870 400 7240
Fax 0044/870 400 7340
E-Mail: reservations.regentspark@marriotthotels.co.uk
www.marriotthotels.co.uk
U-Bahn: Swiss Cottage


Weitere interessante Links und Adressen:



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Das Sanierungsprojekt Shad Thames. (Bild: Schaller)
Fashion and Textile Museum
83 Bermondsey Street SE1 3XF
www.ftmlondon.org
U-Bahn: London Bridge oder Tower Hill

Design Museum
Shad Thames SE1 2YD
www.designmuseum.org
U-Bahn: Tower Hill oder London Bridge

Tate Modern
Bankside SE1 9TG
www.tate.org.uk
U-Bahn: Blackfriars oder Southwark

Riesenrad London Eye
www.londoneye.com
U-Bahn: Waterloo oder Westminster

Restaurant Shumi
Italienisches Restaurant mit japanischem Einfluss
23 St James's Street SW1A 1HA
Telefon 0044/20 7747 9380
www.shumi-london.com
U-Bahn: Green Park

Butler's Wharf Chop House
Restaurant im ehemaligen Themse-Hafen mit tollem Blick auf Tower Bridge
36e Shad Thames SE1 2YE
www.conran-restaurants.co.uk
U-Bahn: Tower Hill oder London Bridge

Einkaufszentrum Kingly Court
Carnaby Street W1B 5PW
www.kinglycourt.co.uk
U-Bahn: Oxford Circus

Clerkenwell Green Association
Schmuck und Mode von jungen Designern
33-35 St John's Square EC1M 4DS
www.cga.org.uk
U-Bahn: Farringdon

Märkte für Schnäppchenjäger:
Columbia Road Market, Columbia Road E2, U-Bahn: Scoreditch
Spitalfields Market, Commercial Street E1, U-Bahn: Liverpool Street
Borough Market, Southwark Street SE1, U-Bahn: London Bridge
Brick Lane Market, Brick Lane E1, U-Bahn: Scoreditch

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