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08.02.2012, 17:44 Uhr  | Netzcode:

Kindersoldaten darf es nicht geben

Von Silke Katenkamp, dpa

Bild zum Artikel, (C) dpa
Sie kämpfen im Krieg mit Waffen gegen Menschen, dabei sind sie noch gar nicht erwachsen: Kindersoldaten zum Beispiel in Südamerika, in Afrika oder Asien. Ralf Willinger ist Experte für Kinderrechte und hat schon viele Kindersoldaten getroffen.

Er erzählte uns, was diese Kinder erleben und wie man ihnen helfen kann.

Was genau ist ein Kindersoldat?

Ralf Willinger: «Ein Kindersoldat ist ein Kind unter 18 Jahren, das zu einer bewaffneten Gruppe oder einer Armee gehört. Das bedeutet: Das Kind lebt in dieser Gruppe und nicht bei seiner Familie. Und die Gruppe führt Kämpfe, zum Beispiel gegen eine andere Gruppe oder den Staat. Kindersoldaten gibt es in Ländern in Südamerika, Afrika und Asien.»

Was muss ein Kindersoldat machen?

Ralf Willinger: «Das ist unterschiedlich. Sie kämpfen zum Beispiel mit Waffen und erschießen Menschen. Oder sie spionieren den Gegner ihrer Gruppe aus. Oder sie müssen für ihre Gruppe Lasten tragen, kochen, Teller waschen oder andere Hilfsdienste machen.»

Wieso wird ein Kind ein Kindersoldat?

Ralf Willinger: «Es gibt Kinder, die werden entführt. Andere werden angelockt mit Essen oder Handys zum Beispiel. Oder ihnen wird gedroht. Zum Beispiel so: Wenn du nicht mitmachst, kommst du ins Gefängnis oder wir verprügeln dich. Es gibt auch Kinder, die das freiwillig machen. Weil sie keine Familie haben, die sich um sie kümmert und weil sie nicht genug zu essen haben und bei der Gruppe Schutz suchen. Oder weil sie es gut finden, wofür die Gruppe kämpft.»

Warum nehmen diese Gruppen überhaupt Kinder?

Ralf Willinger: «Weil sie billiger sind als Erwachsene. Und weil man sie leichter beeinflussen kann und sie dann Dinge tun, die Erwachsene vielleicht nicht tun würden. Sich zum Beispiel in Gefahr begeben.»

Wie kann verhindert werden, dass es Kindersoldaten gibt?

Ralf Willinger: «Experten sprechen mit Kindern und Eltern und machen ihnen klar, wie schlimm es für Kinder ist, Soldat zu sein. Das wissen manche nämlich nicht. Die denken, das ist ein guter Job, um Geld zu verdienen. Die Experten versuchen auch, mit den bewaffneten Gruppen zu sprechen. Denen erklären sie, dass es gegen die Menschenrechte verstößt, wenn Kinder als Soldaten kämpfen. Wer das zulässt, kann vor Gericht gestellt werden. Das klappt aber nicht immer.»

Und was passiert mit den Kindern, die schon Kindersoldaten sind?

Ralf Willinger: «Manchmal fliehen Kindersoldaten von der bewaffneten Gruppe. Diese Kinder kommen oft in Projekte und dort kümmern sich Experten um sie. Kindersoldaten sind in der Regel sehr misstrauisch. Sie haben zum Beispiel Probleme, sich von anderen Menschen berühren zu lassen. Und viele sind aggressiv, andere sind völlig in sich gekehrt.»

Was wird getan, um ihnen zu helfen?

Ralf Willinger: «In den Projekten versuchen die Experten, dass die Kinder wieder vertrauen können. Sie sprechen viel mit ihnen über ihre Vergangenheit und klären, was passiert ist. Oder sie malen mit den Kindern, machen Musik oder machen Theater. Da spielen die Kinder ihre Erlebnisse nach. Sie verstehen auf diese Weise, was ihnen widerfahren ist. Sie sollen auch lernen, Probleme friedlich zu lösen. Außerdem helfen die Experten den Kindern, eine Ausbildung zu machen und einen guten Beruf zu finden.»


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