Von Armin Eger |
17.08.2011
| Netzcode: 2927499 | 1270 Mal gelesen.
Über den Wolken
Unterwegs im Kaukasus - Abenteuerliche Expedition zum Elbrus
Vom Basislager aus ist das schneebedeckte Elbrus-Massiv gut zu sehen. Nach nur einer Nacht ist die Gruppe von 2500 Metern Höhe ins Lager 1 auf 3700 Meter hinaufmarschiert. Bilder: Armin Eger (7)
Kratsch - kratsch - kratsch. Die Zacken der Steigeisen stoßen durch die dünne Eisschicht. Der Atem geht schwer. Sonst ist es still, kurz nach Mitternacht, auf 3700 Metern Höhe. 16 Stunden liegen vor den neun Bergsteigern. So hat jedenfalls Guide Igor Nowak, 49, in der letzten Besprechung den Zeitplan aufgestellt. Kurz nach Mittag soll die Gruppe den Elbrus-Ostgipfel (5621 Meter) erreichen.
Zehn Tage vorher: Kritisch prüft der Soldat den Reisepass, vergleicht Passbilder und Gesichter und die Gültigkeit des Visums. Erst dann öffnet sich die Schranke zum Nationalpark in Dombai, einem kleinen russischen Skiort im Nordkaukasus an der Grenze zu Georgien. Zum Alibek-Gletscher führt die Tour mit Bergführerin Oxana Nowak. Vorbei an traumhaften Wasserfällen, durch eine fast schon tropische, mannshohe Vegetation mit extrem farbenprächtigen Blumen. "Akklimatisierung ist enorm wichtig", sagt Oxana bei den nächsten drei Wanderungen bis auf 3000 Meter Höhe immer wieder.
Nach etlichen Telefonaten ist inzwischen auch klar, dass die Elbrus-Besteigung nur von der Nordseite aus möglich ist. Das Baksantal auf der Südseite ist militärisch abgeriegelt, da es immer wieder zu Kämpfen in der Republik Kabardino-Balkarien kommt. Erst im Februar wurden drei Touristen erschossen und ein Lift in die Luft gesprengt.
Auf der Anfahrt zum Basislager müssen die Allradbusse auch einen Fluss durchqueren.
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Über den Wolken
Unterwegs im Kaukasus - Abenteuerliche Expedition zum Elbrus
In Biwakhütten sind die Bergsteiger auf 3700 Metern Höhe untergebracht, vor der mächtigen Kulisse des Elbrus-Massivs.
Sascha (links), der Zauberkünstler am Kochtopf auf 3700 Metern Höhe.
Dies erschwert die Durchführung der Expedition zusätzlich. Über sieben Stunden dauert die Fahrt von Dombai zum Kurort Kislowodsk. Auf Straßen, die keine wirklichen Straßen sind, bringt der UAZ-Allradbus aus russischen Militärbeständen die Bergsteiger in gut drei weiteren Stunden ins Basislager (2500 Meter). An der Grenze zwischen Kabardino-Balkarien und Tscherkessien blockiert ein Militärlastwagen den Weg. "Passport", fordert der mit einer Kalaschnikow bewaffnete Soldat. Nach einigen Diskussionen mit dem Fahrer wollen die Militärs 3000 Rubel (etwa 75 Euro), damit der Bus weiterfahren darf.
Nach nur einer Nacht im Basislager verlegt die Gruppe weiter hoch ins Lager 1 (3700 Meter). Alles ist bestens organisiert. Geschlafen wird in blechernen Biwakhütten. Die Köche Sascha und Aljona zaubern mit einfachsten Mitteln leckerste, aber gewöhnungsbedürftige Mahlzeiten: Kascha, ein russischer Brei aus Buchweizengrütze, zum Frühstück und traditionelle russische Suppen und Eintöpfe zu Mittag und Abend.
In einem Seitental nahe Dombai reicht der imposante Alibek-Gletscher bis auf 2000 Meter Höhe hinab ins Tal.
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Über den Wolken
Unterwegs im Kaukasus - Abenteuerliche Expedition zum Elbrus
Kaputt, aber glücklich. Der 5621 Meter hohe Elbrus-Ostgipfel ist erreicht.
Materialcheck
Bei Eingehtouren prüft Igor Nowak das Equipment der sechs Männer aus Deutschland und der Frau aus Österreich: Steigeisen, Klettergurt, Eispickel, Stirnlampe, Bandschlingen, Karabiner. Bei einer Übung simuliert er das Bergen aus einer Gletscherspalte. "Der Aufstieg die ersten Stunden ist
Die Seilschaft auf dem Weg zum Gipfel.
sehr gefährlich", erklärt der Bergführer. "Die Route ist übersät von vielen Spalten." Auch das Klima ist gewöhnungsbedürftig. Die dünne Luft verursacht bei einigen kurzzeitig Kopfschmerzen.
In der vierten Nacht geht es los: 23 Uhr aufstehen, kurzes "Frühstück", Ausrüstung anlegen, Abmarsch um 0.30 Uhr. Zwei Seilschaften, angeführt von den Bergführern Igor und Alexej, leuchten sich ihren Weg hinauf. Kurz nach Sonnenaufgang sind die neun Bergsteiger auf 4700 Metern Höhe. Bei knapp 5100 Metern kehrt ein Teil um. Fünf Leute quälen sich im Zeitlupentempo weiter hoch zum Ostgipfel. Als die Gruppe auf 5621 Metern steht - über den Wolken - ist es kurz nach Mittag, so wie Igor versprochen hat.
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