Wolfram von Eschenbachs "Parzival" in prächtiger Neuausgabe
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"Kisses on the Bottom": Paul McCartney schaut zurück
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In den USA ist sie ein Klassiker, gegründet von Andy Warhol: Jetzt gibt es die "Interview" auf deutsch
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Von Josef Maier |
12.06.2010
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Er war tot
Angebot des FC Bayern
Klinisch tot. Die Lebenden um ihn herum waren an diesem 26. Dezember 2002 außer sich vor Verzweiflung. "He's fucking dead." "Er ist verdammt noch mal tot", brüllte der Physiotherapeut von Bradford Park Avenue FCF, einem Fußballclub aus der fünften englischen Liga. Vor ihm lag Lutz Pfannenstiel im Strafraum, regungslos, bleich.
Der Torhüter war mit einem Gegenspieler von Harrogate Town zusammengeprallt. Übelst zusammengeprallt. Der Crash hatte bei Pfannenstiel alle Körperfunktionen außer Gang gesetzt. Der "Medizinmann" aus Bradford probierte es panisch mit Reanimierung. Nach dem dritten Versuch atmete Pfannenstiel leicht - 14 Tage später stand er wieder im Tor.
"Blitze, es gab überall Blitze", erinnert sich der heute 37-Jährige an die dramatischen Minuten an diesem Weihnachtsfeiertag. "Es gab nur Schwarz, Weiß und Grau." Das Leben des Lutz Pfannenstiel ist heute wieder bunt. Der Mann aus Zwiesel im Bayerischen Wald ist wohl der schillerndste Torhüter der Szene. Derzeit spielt er beim FC Ramblers in Namibia. Und er ist der wahre Welttorhüter. "Ich habe schon auf allen sechs Kontinenten in Profiklubs gespielt." Oliver Kahn, Jens Lehmann, Edwin van der Sar oder Gianluigi Buffon mögen Spiele auf höchstem internationalen Niveau bestreiten oder bestritten haben, doch Pfannenstiel hat viel mehr erlebt als sie alle.
Von Josef Maier |
12.06.2010
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Er war tot
Angebot des FC Bayern
Dabei hätte er auch diesen Weg gehen können. Mit Anfang 20 hatte er ein Angebot des FC Bayern München. Für die Amateure vorerst. Damals stand er beim Oberpfälzer Bayernligisten FC Kötzting im Tor - Pfannenstiel lehnte das Angebot von Uli Hoeneß ab. "Ich hätte wohl auch bei den Bayern meine Spiele gemacht. Olli Kahn hatte sich nämlich damals am Kreuzband verletzt", erinnert er sich. Bundesliga, Europapokal, der Niederbayer hätte die große Bühne gehabt. "Alles hypothetisch", sagt er heute. "Und wenn ich das nicht so gemacht hätte, hätte ich nicht alle Kontinente kennengelernt." So habe er wenigstens seine beiden Hobbys Fußballspielen und Reisen verbinden können.
Cabrio und Frauen
Früher war er auch einer der "normalen" Fußballer, erzählt Pfannenstiel. Zu Kötztinger Zeiten sei es ihm noch wichtig gewesen, Statussymbole zu haben: "Ein Cabrio und fünf Frauen im Auto", blickt er schmunzelnd zurück. Danach ging er auf Tour durch die große Fußballwelt. Malaysia, Finnland, England, Norwegen, Brasilien, Kanada. Zwischendurch auch mal ASV Cham oder Wacker Burghausen. Aber auch wenn er seine Heimat, den Bayerischen Wald noch so sehr liebt und er oft die Eltern in Zwiesel besucht, zieht es ihn auch jetzt noch immer hinaus in die Welt. Manchmal mit fürchterlichen Konsequenzen, wie der Vorfall in England dokumentiert. Da waren auch die schlimmen Wochen in Singapur. Damals saß er unschuldig wegen angeblichen Wettbetrugs hinter Gittern. Er spielte zu der Zeit für den Klub Geylang United, dem FC Bayern Singapurs. Mehr als drei Monate saß er in einer nicht einmal 15 Quadratmeter großen Zelle, ohne Toilette, mit zwölf anderen Gefangenen.
Von Josef Maier |
12.06.2010
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Er war tot
Angebot des FC Bayern
Er wisse nicht mehr, wann bei ihm genau der Schalter gefallen sei, sagt der Mann mit den langen Haaren heute. War es Singapur? War es Bradford? Vielleicht. "Wenn man dem Tod ins Auge schaut, relativiert sich auch das Fußballspielen", sinniert er. Auf jeden Fall änderte Pfannenstiel sein Leben und seine Denkweise. Er spielte weiter Fußball, das war wie eine Sucht, aber er suchte nach einer neuen Aufgabe. Und initiierte daraufhin das "Global-Goal-Project", ein Projekt, das sich mit Problemen der globalen Erderwärmung beschäftigt.
Spiel in der Antarktis
"Wir als Profifußballer haben andere Möglichkeiten, auf die Umweltgefahren aufmerksam zu machen", erklärt er. Jetzt organisiert er weltweit Fußballspiele mit Altstars wie Lothar Matthäus, Brian Laudrup, Carlos Valderrama, Aldair, Bebeto oder Fredi Bobic. Das Spiel geht über die 90 Minuten hinaus. "Wir gehen mit den Stars auch in die Armenviertel und klären auf, spielen mit den Kindern dort Fußball." Immer mit der Intention, die Leute für den Umweltschutz zu sensibilisieren. Um noch mehr auf die Aktion aufmerksam zu machen, plant er auch Matches an ganz außergewöhnlichen Orten: Fußballspiele in der Antarktis, im Amazonas-Gebiet oder in Nepal.
Von Josef Maier |
12.06.2010
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Er war tot
Angebot des FC Bayern
In diesen Tagen muss er sich aber auf etwas anderes konzentrieren. Der Fußball-Globetrotter arbeitet bei der Weltmeisterschaft für das ZDF. Dort trifft er also nach fast 20 Jahren Oliver Kahn doch noch. Pfannenstiel ist quasi hinter dem "Titan", der auf der Mattscheibe die Spiele analysiert, die Nummer 2. "Ich muss ihn mit Informationen füttern", sagt Pfannenstiel lachend. Er hat lange Jahre auch in Neuseeland gespielt und kennt aus Namibia den Fußball im Nachbar- und WM-Gastgeberland Südafrika bestens. "Ich bin bei beiden Teams als Reporter vor Ort."
Viele Schubladen
Torwart, Reporter, Buchautor, Umweltaktivist und auch Trainer und Manager - für den 37-Jährigen braucht es viele Schubladen. Beim FC Ramblers, dem Spitzenklub Namibias, coacht Pfannenstiel auch die Kollegen. "Der alte Trainer hat das nicht gut gemacht." Da gelten auch für den lockeren Niederbayern die Gesetze im Profisport und nebenbei managt er den Klub. Zudem zieht er sich die Handschuhe immer wieder an: "Wenn unser Torwart schlecht ist, verletzt ist oder mal wieder spinnt, dann mach' ich es selbst."
Dabei ist Namibia wohl wieder nur eine Zwischenstation. Einer, der fast alle Ecken der Welt gesehen hat, hat noch Ziele: "Ich möchte noch mal etwas in den arabischen Ländern, in Japan und Russland machen." Die Reise geht weiter. Der "tote" Mann von Bradford steht mitten im Leben.
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