"Hannisch doch jesäht!"
Eine "nahrhafte" Wanderung von Konnersreuth zur Kappl
Die „fremden“ Autokennzeichen verraten es. Für viele motorisierte Reisende sind die Waldsassener Stiftsbasilika, die nahe gelegene Kappl und die Stätten in Konnersreuth, die an den 1716 in Äthiopien ermordeten und 1988 selig gesprochenen Liberat Weiß sowie an die 1962 verstorbene stigmatisierte Therese Neumann erinnern, besuchenswerte Ziele. Wanderern dagegen begegnet man - noch - selten. Nach mehreren Kurzbesuchen des Stiftlandes reifte der Entschluss: Wir wollen einmal ein Stückchen dieser geschichtsträchtigen Landschaft „auf Schusters Rappen“ erwandern.
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| Beim Heraustreten aus dem Münchenreuther Wald überrascht die ungewohnte Perspektive der Kappl mit ihrem im Wasser gespiegelten Türme-Trio. Bilder: Tamme |
In deren Richtung geht es los auf einem Weg, der mit vulkanischen Bruchsteinen befestigt ist und auf dem sich viele Kohlweißlinge sonnen. Am Wegesrand leuchten aromatisch schmeckende Himbeeren, „beschützt“ von Brennnesseln. Am Rand des riesigen Münchenreuther Waldes „plündern“ wir ausgiebig einen wilden Kirschbaum, dessen kleine Früchte zartbitter schmecken und genießen wieder die Blicke in die Landschaft und auf die Wolkengebirge über uns. Im dunklen Nadelwald leuchten Glockenblumen, Fingerhut und Ackerschachtelhalm.
Am Ruderbach mit seinen Teichen sonnen sich exotisch gefärbte Schmetterlinge auf violetten Distelblüten. Das Tretboot mitten im See wartet anscheinend auf einen Wochenend-Freizeitkapitän. Eine Bank lädt zum Verschnaufen ein, bevor es auf bemoosten Waldwegen weitergeht. In der Gemarkung Möselbrand fragt uns ein mit schweren Rucksäcken bepacktes Jungmänner-Quartett nach dem Weg zur Grenzlandhütte. Im Weggehen brummt einer:„Hannisch doch jesäht!“ Nun wissen wir, dass sie aus dem Rheinland kommen und es einer den andern drei „doch gesagt hat“.
Beim Heraustreten aus dem Wald überrascht uns die ungewohnte Perspektive der Kappl. Während wir die Spiegelung des Türme-Trios im Teich bewundern, haben wir ein wenig das Gefühl, dass alle an ihrem Ziel angekommenen Fußpilger befällt. Nach einer Brotzeit und einem Besuch von Georg Dientzenhofers Meisterwerk bringen wir unsere Beine wieder auf „Betriebstemperatur“, indem wir zum höchsten Punkt dieses Ausflugs wandern, dem Dietzenberg.
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| Am Ruderbach und seinen vielen Teichen lädt eine Bank zum Verschnaufen in völliger Stille ein. |
Von hier geht der Blick weit ins Böhmische mit dem markanten 939 Meter hohen Tillenberg. Zurück im lichten Wald stoßen wir bald auf Schwarzbeeren, Walderdbeeren, Preißelbeeren und Eierschwammerln. Den Durst löschen wir in der Grenzlandhütte, deren Weiher zum Verweilen einlädt.
Auf dem Rückweg begleitet uns zunächst der Krebsbach. Im Dorf Grün empfangen uns laut schnatternde, zukünftige Weihnachtsgänse. Der Ortsname führt zu der spontanen Frage, welche Partei die Bewohner wohl wählen. Doch der kleine Ort scheint verlassen. Nur in einem Stall hört man Kühe, die sicher auch lieber draußen in der Natur wären.
Am Ortsausgang verkündet ein Schild „1 km Konnersreuth“, zwanzig Meter weiter sind es zwei Kilometer! Ob das die Wanderer beflügeln soll? Fest steht, dass es zum Schluss kräftig bergauf geht. Eine letzte Einkehr ist die Folge, bevor ein Rundgang durch den Markt Konnersreuth diese „nahrhafte“ Wanderung beschließt.
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