Von Josef Maier |
18.07.2009
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Ein Landkartenmotiv
Das Ende der Welt liegt auf Menorca. Behaupten die Menorciner. Am Cap de Favàritx braut sich was zusammen. Der Wind bläst den Leuchtturm fast um, wilde Wellen donnern gegen die Steilküste. Die Gischt türmt sich bedrohlich auf. "Deswegen wird Menorca auch Irland des Mittelmeeres genannt", erklärt Jutta Vaupel. Sie ist immer wieder fasziniert von diesem Schauspiel, das es aber nur ganz selten gibt.
Schließlich ist sie hier auf einer Sonneninsel im Mittelmeer zu Hause. Auf Menorca, der kleinen Schwester Mallorcas. "Aber der Rhythmus ist hier ganz anders als auf der Nachbarinsel", erzählt Jutta, die aus Lemgo stammt und sich vor Jahren mit ihrem Freund Ralf in Es Mercadal, einem Städtchen in der Mitte Menorcas, niedergelassen hat. Die 47-Jährige hat sich sofort nach ihrer Ankunft in dieses Fleckchen Erde verliebt.
In die Insel der kurzen Wege: Gerade einmal ein Fünftel so groß wie Mallorca ist Menorca. Ganz oben im Norden, im kleinen Fischerdorf Fornells, ist Jutta besonders gerne. "Solche Fischerdörfchen wie hier gibt es kaum noch auf den anderen Balearen." Das Blau des Meeres ist hier besonders kräftig. Wer durch den Ort läuft, fühlt sich, als gehe er durch ein strahlendes Landkartenmotiv.
Von Josef Maier |
18.07.2009
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Ein Landkartenmotiv
Von Fornells hinunter in die Hauptstadt sind es nur gut 20 Kilometer. Mahón, im Südosten der Insel gelegen, zählt 28 000 Einwohner. Und natürlich jede Menge Touristen, die die englisch geprägte Stadt besuchen. Und den großen Hafen, der kein Ende zu nehmen scheint. In Cala Llonga gegenüber den Stadtmauern haben sich viele Reiche Villen gebaut. Jutta kann das verstehen: "Die Leute können hier ohne Rummel leben, ganz zurückgezogen." Von dieser Ecke aus ziehen sich die meisten Feriensiedlungen und Hotels der Insel bis hinüber in den Südwesten. In Binibèquer Vell hat sich ein Architekt mit einer Feriensiedlung in Form eines Termitenbaus verewigt. Die Häuschen sind weiß, wie von Puderzucker überzogen. In den Sommermonaten wird es hier ganz eng.
Wie auch ein paar Kilometer weiter in der Cova d'en Xoroi. Dort genießt man seinen Drink oder Kaffee in einer Höhle, direkt in der Steilküste. Abends versammeln sich hier Einheimische und Gäste, um zuzuschauen, wie die Sonne im Meer versinkt. "Es ist hier eine relaxte Stimmung", sagt Bianca Dòrling. Sie wurde in Hamburg geboren, lebt seit 1995 auf Menorca. "Ich bin quasi vom Wasser zum Wasser gezogen", lächelt sie. Von hier möchte sie nicht mehr weg: "Es ist der schönste Arbeitsplatz der Welt." Immer kann sie den Meeresblick aber nicht genießen, mit ihrem Mann Carlos führt sie Bar und Disco.
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18.07.2009
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Ein Landkartenmotiv
Mit dem Kajak um die Insel
Langweilig wird einem jungen Mann auch ein paar Kilometer weiter nicht. In St. Tomas hat Carlos eine weitere Kajakschule eröffnet. Auf offenem Meer zu rudern, liegt im Trend - und gar nicht so anstrengend. "Es ist eine Art Wandern auf Wasser", zieht der Spanier einen bildhaften Vergleich, während seine Mitarbeiter die Zweierkajaks Richtung Bucht tragen. Eine kurze Einweisung, und schon geht's im gleichen Takt in Richtung versteckter Buchten. "Ich selbst fahre gerne im Winter raus, um alleine zu sein", erzählt Carlos. Im Sommer kommt er kaum dazu: Tschechen, Norweger, Deutsche, Briten wollen aufs Wasser. An diesem Tag auch Basken, sie buchen für eine Woche. Carlos: "Sie wollen mit den Kajaks die Insel umrunden."
Dann kommen sie auch an Ciutadella vorbei. Die zweitgrößte Stadt der Insel zählt etwa 27 000 Einwohner und ist vor allem Ende Juni im Ausnahmezustand. Einen Tag vor dem Fest des heiligen Johannes, St. Juan, am 23. Juni sind alle schon in Feierlaune. "Aber es ist kein hemmungsloses Besäufnis", beschwichtigt Jutta sofort. Hier zeigt sich einfach die pure Lebensfreude.
Von Josef Maier |
18.07.2009
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Ein Landkartenmotiv
"Ein bisschen Angst"
Es wird den ganzen Tag getanzt, aus ganz Spanien reisen die Leute zu dieser berühmten Fiesta an. Und dann kommen sie durch die Gassen, die edlen Reiter mit ihren mächtigen Hengsten. Die Pferde bäumen sich in der gewaltigen Menschenmenge auf. "Tanz mit den Pferden" heißt das Dargebotene. Die Leute scheinen die Hengste nach dem Aufsteigen hochzuhalten. Ein Spektakel, das einen den Atem anhalten lässt. "Warum soll das gefährlich sein?", fragt Julia ganz unschuldig, "das ist doch normal bei uns." Sie hat keine Angst, dass die Leute unter die kräftigen Hufe geraten. Aus einiger Entfernung winkt sie Opa und Cousin zu, die mitreiten.
"Hier musst du am Ende nach Pferd stinken", grinst Jutta. "Und nach Gin. Das bringt Glück." Das Nationalgetränk Pomada - Gin gemischt mit Zitronenlimonade - fließt in Strömen. Doch es gibt kaum Zwischenfälle. "Ich habe nichts gehört", meint Jutta einen Tag später. Dass so manch einem Reiter bei dem riesigen Menschenauflauf - 30 000 Leute sollen in den engen Gassen und auf der Placa D'es Born sein - nicht ganz geheuer ist, gibt Juan dann kurz vor Mitternacht zu, als er mit "Vermeill", seinem Hengst, in einer Ecke vor der Kathedrale auf den nächsten Auftritt wartet. "Ein bisschen habe ich Angst, wenn ich kleine Kinder sehe", sagt der 35-Jährige. Dass sie in dem Getümmel unter die Hufe geraten könnten. Pferd und Reitern wird totale Konzentration abverlangt. Der Höllenlärm sei aber kein Problem für die Tiere, meint Juan. Die Pferde hätten sich im Training daran gewöhnt. Und sie bräuchten auch keine Scheuklappen: "Die Pferde müssen sehen, was um sie herum passiert."
Die Haselnuss-Schlacht
Und es passiert so viel: Am Ende bewerfen sich alle in den Gassen und auf den Plätzen mit Haselnüssen, und die Burschen lassen die Mädchen durch die Luft fliegen. Menorca das Ende der Welt? Hier eher der Nabel der Welt!
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