Weiden
Hoffnungsträger in der Defensive
Dossier-Affäre: Bundestagsabgeordneter sucht Gespräch mit Betroffenen
Weiden. Albert Rupprecht überlegt lange, spricht mit gedämpfter Stimme. Das peinliche Dossier, das in CSU-Kreisen seit Februar die Runde macht und jetzt öffentlich wurde, setzt dem 40-jährigen Bundestagsabgeordneten aus Weiden zu. „Ich entschuldige mich bei allen, die darin genannt sind“, sagt er am Freitagmittag bei einem Gespräch mit der Redaktion.
„Im Austausch miteinander“ hätten wohl auch andere Mitarbeiter aus seinem Team ihre Ideen eingebracht. Die Informationen seien im Berliner Büro zusammengetragen worden, wie auch der als Verfasser genannte zweite Bürgermeister von Plößberg und CSU-Bezirksschatzmeister Benjamin Zeitler (26) behauptet. Als angehender Politikwissenschaftler war Zeitler vor sechs Jahren zwei Monate lang als Praktikant im Rupprecht-Büro beschäftigt. „Ich werde es nicht mitmachen, dass man jetzt den Benjamin kaputt macht“, erklärt Rupprecht. Zeitler sei einer der engagiertesten jungen Leute in der Region. „Mein Fehler war, dass ich, als ich das Konzept überflogen habe, nicht gesagt habe, dass es inakzeptabel und zu löschen ist. Dafür entschuldige ich mich.“
Nicht alles ausgeräumt
Das „Kommunikationskonzept“ sollte dazu dienen, dem ehemaligen zweiten Weidener CSU-Bundestagsabgeordneten Georg Girisch das Direktmandat abzuringen. Dazu sind die wichtigsten CSU-Politiker aus Weiden und den Landkreisen Neustadt/WN und Tirschenreuth je nach Einflussmöglichkeiten mit sehr persönlichen Einschätzungen in eine Prioritätenliste eingeteilt worden. „Eine solche Bewertung von Leuten ist sinnlos“, unterstreicht Rupprecht. „Weil ich die Leute besser kenne und manche anders einschätze, als es im Papier steht.“ Dies habe er den meisten der Genannten auch bei einem persönlichen Gespräch mitgeteilt. „Bei fast allen ist das Thema erledigt.“
Einer, der noch Gesprächsbedarf sieht und das Dossier als einer der ersten erhalten hat, ist offenbar der Tirschenreuther CSU-Kreisvorsitzende und frühere Waldsassener Bürgermeister Herbert Hahn. Er frage sich schon, „wie Praktikanten in Berlin in der Lage sein sollen, Tirschenreuther Politiker in Prioritäten und Kategorien einzuteilen“. Unklar ist, wie das heikle Papier das Büro von Albert Rupprecht verlassen hat. „Ich weiß es nicht“, sagt Rupprecht. Allerdings wisse er, dass es von seinem ehemaligen Gegenspieler Georg Girisch an Hahn weitergegeben worden sei. Der Ex-Bundestagsabgeordnete bestreitet dies vehement: „Das soll mal einer behaupten!“ Fest steht, dass das Dossier am Mittwoch und Donnerstag mehreren Journalisten in Bayern anonym zugeschickt wurde.
„Ich bin sprachlos“
„Ich bin sprachlos“, erklärt der Neumarkter Landtagsabgeordnete Albert Füracker, der sich erst vor wenigen Tagen über die angeschlagene Stimmung im Bezirksverband beschwert hatte, ohne nähere Gründe zu nennen. Das Dossier sei in Parteikreisen seit zwei Monaten im Umlauf. Füracker fügt hinzu: „Ich besitze keines. Ich habe damit nichts zu tun.“ Der 41-Jährige hat für den Bezirksparteitag am 29. Mai seine Kandidatur für das Amt des Bezirksvize angekündigt, um das sich auch Rupprecht bewerben wollte. Ob Rupprecht nun antritt, ließ er am Freitag offen. „Das Thema Bezirksvorstand steht jetzt ganz hinten an.“
Markus Sackmann (Roding), weiterer Bezirksvize, will sich zur „Akte Rupprecht“ überhaupt nicht äußern. „Ich mische mich da nicht ein.“ Eine klare Ansage gab es dagegen von Bezirksvorsitzender Emilia Müller (Bruck). Wo auch immer das „Kommunikationskonzept“ herkomme: „Es besteht halt.“ Rupprecht müsse nun schnellstmöglich für Klarheit sorgen. „Wichtig ist, dass das aus der Welt geschafft wird. Das kann nur er allein.“
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