Von (dpa) |
19.01.2011
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Frankfurt/Main
"Die Zeit der Basta-Politik ist vorbei"
"Alternativlos" Unwort des Jahres: Es demonstriert Ohnmacht der Politiker, trifft Stimmung Bürger
Frankfurt/Main. (dpa) Kanzlerin Angela Merkel, Verkehrsminister Peter Ramsauer oder Gesundheitsminister Philipp Rösler - sie alle begründeten Entscheidungen 2010 als "alternativlos".
"Behauptungen dieser Art drohen, die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung zu verstärken", befand die Fachjury um den Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser und kürte das Adjektiv zum Unwort des Jahres.
" ,Alternativlos' ist kein schrecklich prickelndes Wort, aber es kennzeichnet einen wichtigen Punkt der politischen Debatte", sagt der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim, Prof. Ludwig M. Eichinger. "Damit wird argumentativ versucht, eine Art Schlussstrich zu ziehen." Diesen Abwehrmechanismus hätten viele Bürger 2010 offenbar zu oft gehört.
"Das Wort des Jahres, das Unwort und der Satz des Jahres spiegeln das Verhältnis zwischen Bürgern und Politik im vergangenen Jahr recht gut wieder", sagt Kommunikationswissenschaftler, Prof. Frank Brettschneider, von der Universität Hohenstein. Er gehört zu der von dem Marketingfachmann Milon Gupta gegründeten Fachjury, die seit kurzem einen "Satz des Jahres" kürt. 2010 fiel ihre Wahl auf einen Ausspruch von Stuttgart-21-Schlichter Heiner Geißler: "Die Zeit der Basta-Politik ist vorbei."
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"Die Zeit der Basta-Politik ist vorbei"
"Alternativlos" Unwort des Jahres: Es demonstriert Ohnmacht der Politiker, trifft Stimmung Bürger
"Politische Akteure sollten ihre Positionen erläutern und nicht per Ordre de Mufti ,alternativlos' nennen", sagt Brettschneider. "Dann kann man Politik ja abschaffen." "Alternativlos" besage letztlich, dass sich Politiker Sachzwängen unterordnen und nicht mehr begründete Entscheidungen treffen, so der Marburger Politikwissenschaftler Theo Schiller. "Die Politik demonstriert ihre eigene Ohnmacht, will aber gleichzeitig bürokratisch durchsetzen, was vorgegeben ist." Viele Bürger wollten aber beteiligt werden. Sie seien gut informiert, selbst beruflich mit komplexen Themen befasst und machten häufig konkrete Vorschläge. Landauf, landab entschieden sich diese Bürger inzwischen eher für Protest - wie das Symbol Stuttgart 21 zeige - und ärgerten sich, wenn ihre Argumente nicht ernst genommen würden.
"Wenn Politiker sagen, etwas sei ,alternativlos', zeigt dies ihre Sprach- und Einfaltslosigkeit", betont der Vorsitzende des Verbands deutscher Schriftsteller, Imre Török. "Alternativlos ist nur der Tod." Solange Menschen lebten, sollten sie daran denken, dass sie Gestaltungsspielräume haben und Einfälle haben müssten. Török erinnert die Formulierung an Bertolt Brecht (1898 bis 1956), der festgestellt habe: "Wer A sagt, muss nicht auch B sagen." Er dürfe auch erkennen, dass A falsch war.
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