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Von Thomas Schaller  |  20.09.2011  | Netzcode: 2970845  |  1269 Mal gelesen.

Steinerne Zeugen der Jahrhunderte

Wo die burgundische Romanik entstand, haben bis heute unzählige historische Bauten überdauert

So wie viele andere südburgundische Dörfer auch
So wie viele andere südburgundische Dörfer auch hat Blanot ein romanisches Gotteshaus. Der Vorläuferbau der Kirche St. Martin (links), die mit dem Priorat eine harmonische Einheit bildet, unterstand bereits im 10. Jahrhundert der Abtei Cluny. Bilder: Thomas Schaller (5)
Das Land ist sattgrün und hügelig, die Häuser aus beigem Stein gemauert. Nahezu jedes Dorf und jeder Weiler hat seine eigene romanische Kirche. Wer nach Burgund im Osten Frankreichs reist, der fühlt sich wie an der Wiege dieses mittelalterlichen Baustils. Großen Anteil an der Entwicklung der Romanik hatten die Abteien Cluny und Cîteaux, aus denen die Reformbewegungen der Cluniazenser und der Zisterzienser hervorgegangen sind. Sie prägten das gesamte christliche Abendland. Und naturgemäß ihre nächste Umgebung.

Schließlich unterstanden der Benediktinerabtei St. Peter und St. Paul in Cluny in ihrer Blütezeit mehr als 1000 Klöster mit bis zu 20 000 Mönchen. Die damals immense Bedeutung lässt sich heute noch erahnen, wenn man vor den Resten der Kirche steht. Cluny III, wie die "Maior Ecclesia" aus dem 12. Jahrhundert auch genannt wird, war mit ihrem 30 Meter hohen Hauptschiff und einer Länge von fast 190 Metern die größte Kirche der Christenheit - bis zum Bau des Petersdoms in Rom gut 400 Jahre später. An die 10 000 Gläubige sollen in Cluny III Platz gefunden haben.

Von dem beeindruckenden Baukörper stehen heute nur noch kärgliche Reste eines Querschiffs mit zwei von ehemals fünf Türmen, und selbst diese Überbleibsel sind so imposant, dass man staunend davorsteht.
In Cluny blühte einst das mittelalterliche
In Cluny blühte einst das mittelalterliche Mönchtum. Von der damals größten Kirche der Christenheit blieb aber nicht viel mehr übrig als zwei Türme, die hinter den Gebäuden der Abtei aufragen.


In einer 15-minütigen 3-D-Projektion erweckt das Museum (Eintritt: 7 Euro) die Abteikirche zu neuem Leben. Wie bei einem Flug zwischen den gewaltigen Säulen hindurch erkundet der Besucher das majestätische Kircheninnere, getaucht in magisches Licht. Das Ende der Abtei kam in Folge der Französischen Revolution, als ein Abbruchunternehmer die Anlage bis auf wenige Reste abreißen ließ und das Steinmaterial verkaufte.

Netz von Wanderwegen



Im mittelalterlichen Blanot, ein paar Kilometer nordöstlich von Cluny, kann sich der Besucher sehr gut vorstellen, wie man früher in diesem Landstrich gelebt hat. Wie viele andere Orte auch hat das Dörfchen noch sein altes öffentliches Waschhaus, den täglichen Treffpunkt, an dem man sich fast die Stimmen ratschender Frauen einbildet. Die Galeriehäuser mit ihren für das Mâconnais typischen Treppenaufgängen und dem reichen Blumenschmuck sind neben historischem Brunnen und Backofen an den Hang gebauten. Überragt werden sie von der romanischen Kirche St. Martin, deren Vorläufer seit 927 den Äbten von Cluny unterstand, und von den Gebäuden des früheren Priorats.

Vom Roche de Solutré schweift der Blick zum 485
Vom Roche de Solutré schweift der Blick zum 485 Meter hohen Kletterfelsen Roche de Vergisson, der über dem gleichnamigen Weindorf thront.
In Blanot starten mehrere markierte Wanderwege, einer von ihnen auf den 587 Meter hohen Mont St-Romain. Der gewährt einen überragenden Überblick über die Landschaft Südburgunds. Eine Orientierungstafel aus Keramik zeigt an, welche Ortschaften und Berge in den verschiedenen Richtungen zu sehen sind. Wer schlecht zu Fuß ist, kann den Mont St-Romain auch im Auto "bezwingen".

Zwischen dem Berg und dem Ort liegt der Eingang zur Grotte de Blanot. Zum Schutz des wachsenden Fledermausvorkommens ist die Tropfsteinhöhle nur in den Sommermonaten begehbar (5,50 Euro). Trittsicherheit und feste Schuhe sind unbedingt erforderlich auf den teils glitschigen Steigen und Treppchen bis in 60 Meter Tiefe. Wer Platzangst hat, sollte die Tour mit oft nur schulterbreiten Durchgängen besser meiden. Nach den Worten von Höhlenführer François Golleau kommen jedes Jahr nur rund 4000 Besucher.

Weitaus touristischer geprägt ist der Betrieb in den nahe gelegenen Grottes d'Azé (7 Euro), in einem kleinen Weindorf etwas südöstlich von Blanot. Diese Höhlen im Kalkgebirge nehmen zwei Ebenen ein, von denen die untere noch heute von einem Fluss durchzogen ist. Die obere nennen sie die prähistorische Grotte, denn dort haben Höhlenforscher zahlreiche Relikte bis aus vorgeschichtlicher Zeit gefunden.
Nahe dem mittelalterlichen Dorf Brancion steht
Nahe dem mittelalterlichen Dorf Brancion steht der christianisierte steinzeitliche Menhir de la Pierre Levée.


Skelette und Feuersteine



Seit rund 300 000 Jahren haben Menschen und Tiere hier Zuflucht gesucht. Skelette und Einzelknochen von Bären, Höhlenlöwen, Pferden und Nashörnern sind ebenso zu sehen wie bearbeitete Feuersteine. Für die Archäologen wertvoll waren auch zahlreiche Funde aus der Periode der Urnenfelderkultur um 1000 vor Christus und aus gallo-römischer Zeit. Ein schlichtes Museum zeigt einige der Exponate.

Prähistoriker geraten in Südburgund ins Schwärmen. Schließlich liegt hier eine der bedeutendsten europäischen Fundstätten aus dem Jungpaläolithikum, der letzten Phase der Altsteinzeit. Die Entdeckungen am Fuß der weithin sichtbaren Felsnase Roche de Solutré, westlich von Mâcon, waren so sensationell, dass der Berg einer ganzen Kulturstufe den Namen gegeben hat: dem Solutréen von etwa 20 000 bis 16 000 vor Christus.

Bedeutender Beuteplatz



Reise Burgund
Nahe dem mittelalterlichen Dorf Brancion steht der christianisierte steinzeitliche Menhir de la Pierre Levée.
Unterhalb des Felsblocks, der 493 Meter aus den Weinbergen ragt, fanden die Forscher ab dem 19. Jahrhundert tausende von Pferde- und Rentierskeletten, so dass sich eine Legende entwickelte: Die Steinzeitjäger hätten die Tiere auf der sanft ansteigenden Rückseite nach oben und dann über die Steilwand in den Tod getrieben. Diese Hypothese gilt heute als überholt. Möglicherweise handelte es sich lediglich um einen wichtigen Beuteplatz. Wer mehr über die feuersteinbearbeitende Kultur erfahren will, wird im Solutré-Museum versorgt, das dort in den Berg gebaut ist, wo der bequeme Wanderweg hinauf auf den Felsen beginnt.


Weitere Informationen:



Bourgogne Tourisme
BP 20623
F-21006 DIJON CEDEX
Telefon: 0033/380 280 280
Fax: 0033/380 280 300
Mail: info@crt-bourgogne.fr
www.burgund-tourismus.com



Weitere Links:



Abtei von Cluny:
www.cluny.monuments-nationaux.fr/en/

Roche de Solutré:
www.musees-bourgogne.org/les_musees/musee_bourgogne_resultat.php?lg=de&id=38

Das Dorf Blanot:
www.blanot.fr/index.php?l_nr=index.php&l_nr_c=aeb764a6a854dd20beb97ec048c4ac14&l_idpa=2

Grottes d'Azé:
www.grotte-aze.com/

Organisation Fédération Européenne des Sites Clunisiens:
www.sitesclunisiens.org/index.php?newlang=german

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